Druckschrift 
5 (1864)
Entstehung
Seite
271
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werde. Doch blieb Chamiffo den Sommer über, um die Rückkehrseiner Schwester aus Italien zu erwarten, welche seit 1809 in Parma,später in Pisa lebte. Schon hatte er im August Alles zu seinerAbreise nach Norddeutschland vorbereitet, als ein Brief der Schwesterihn veranlaßte, noch eine Zeit lang zu bleiben. Und nun er einmaldie Abreise verschoben, bewogen ihn der Wunsch der Frau von Stael,der hohen Herrin", und Theilnahme fürste, von welcher Napoleon'sMachtspruch alle Freunde verscheucht hatte und die sich verlassenund unglücklich fühlte, bei ihr auszuharren bis zu ihrer Flucht ausCoppet (23. Mai 1812), deren mitwirkender Zeuge er war.

Er selbst nennt die Tage, welche er bei Frau von Stael ver-lebt, nach mehr als zwanzig Jahren unvergeßliche; als er die Herzo-gin von Broglie, die Tochter dieser außerordentlichen Frau, welchedamals noch ein Kind war, 1831 in Berlin wiedersah, schrieb erdie folgenden Zeilen nieder:

Ich blicke mit dem Herzen fern zurückZu einer Welt, der einst ich angehörte

Der Tod ist da gewesen: Gräber! Gräber!

Nur eine Du Wie aber Dir zu nahn,

Und wie Dich nennen? --- Herrin? Gnäd'ge Frau?

Du stehst vor meinen Augen noch das Kind.

Und, Albertine, würfest Du den BlickAuf mich und sprächest:Wer ist dieser Alte,

Der so mich anstarrt, graue Locken schütteltUnd Thränen heimlich zu verschlucken scheint?

Ich kenn' ihn nicht."-

Ad. v. CH.

Er lernte und trieb während dieses Winters, den er zum Theilin Genf zubrachte, fleißig Englisch, übersetzte das französische Lust-spiel Lonaxa ins Deutsche, und wendete sich auf Lafoye's Rath beider Wiederkehr des Frühlings zur Botanik. Sein Freund Augustvon Stael, der ältere Sohn seiner Gastfreundin, wurde sein ersterLehrer in dieser Wissenschaft, die fortan sein Lieblingsstudium blieb,