Vorrede zur ersten Ausgabe.
Daß ich, da der Meister moderner Biographie, da Varnhagenvon Ense Chamisso früher gekannt als ich und ihm gleichwie ich bis an sein Ende nahe gestanden, es dennoch unter-nehme, Chamisso's Leben zu beschreiben, beruht nicht alleinauf Varnhagen's öffentlicher Aufforderung dazu; sondern ent-scheidend auf einer letztwilligen Verfügung Ehamisso's. Dieserhat nämlich unterm 30. August l83l, als zum erstenmale dieCholera in Berlin auSgebrochen war, den Wunsch schriftlichniedergelegt: „Hitzig solle, wenn er ihn überlebe, eine Aus-wahl aus seinen nachgelassenen Papieren herausgeben undeine biographische Notiz vorausschicken."
Es bleibt mir daher nur ein Wort zu sagen übrig überdas Wie der Lösung der mir von dem Dahingeschiedenen ge-stellten Aufgabe. Hierüber nun konnte ich nicht lange zwei-felhaft sein. Wo so viel Material vorhanden ist, einendurch und durch eigenthümlichen Menschen sich durch sich selbstdarstellen zu lassen, als hier, würde es frevelhaft erscheinen,mehr vom Eigenen hinzuzuthun, als was unumgänglich uoth-wendig ist, den Zusammenhang, da wo die schriftlichen Ur-kunden Lücken lassen, herzustellen. Am Schluffe des Werkssoll in Andeutungen versucht werden, die einzelnen Strahlender leuchtenden Erscheinung in Einen Brennpunkt zusammen-zufassen.
Ich erwarte wohl, aber ich fürchte ihn nicht, den Vor-wurf von mancher Seite zu vernehmen, als hätte ich an