Druckschrift 
5 (1864)
Entstehung
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An Varnhagen in Berlin.

Vertus den 3. Juni 1807.

Ich dachte, mein Karl, Du würdest alsbald nach Deiner An-kunft und Aufenthalts-Besitznahme in Berlin an Deinen Freundschreiben, nun wart' ich schon so lange, und hatte schon Ant-wort auf meinen letzten Brief haben können, und es kommt keinBrief.

Ich bin noch nicht auf der Reise, aber fester entschlossen, dennjemals, sie anzutreten, habe Du Langmuth mit mir, auch Duwirst mich einmal festhalten, wann ich hier viele, viele Bande gelösthabe.

Diene mir jetzt, auch ich hätte Dir dienen können, hätte esGott also gefügt, diene mir jetzt und schreibe mir, und verlassemich nicht mit Deinen Briefen.

Ich werde nach Paris gehen müssen zu Koreff, er schreibtnicht, es wird noch einige Wochen sich ziehen, Geduld undUngeduld und Schlaf das heißt mein Leben. Ich muß meineBesinnungskraft mit beiden Händen fest drücken, um mir zu denken,daß ich wirklich chmals anders gewacht und gewirkt, und derselbebin, der es also nach wohlhergelciteten Schlüssen künftighin nochwie vorher, treiben kann, sonst kam' ich mir vor, als sah' ichmeine, eines Ertrunkenen, abgeschiedene Leiche am Gestade der grü-nen Insel liegen. Aber auch also, und wenn es mich auchviele köstliche Tage kostet, desto sorgfältiger wollen wir die Vorstel-lung in dem Erfahrungskasten, auf die kurze Lebensreise hin, ver-wahren, es ist doch in der Art alles gut. Gilt doch alles denPreis, den es gekostet.

Ich mag heute nicht an den vielgeliebten Theremin schreiben;vielleicht aus Paris; umarme Du ihn indeß für mich,Wilhelmumarm' ich mit ganzem Herzen. Erzählt mir, wie es bei unsaussieht, und sonst andre gute Dinge mehr, und entlaßt mich fürheute, denn ich gehe aufs Land; ich habe Euch blos auf die Schulter