Druckschrift 
5 (1864)
Entstehung
Seite
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An Mad. Fanny Hertz in Hamburg.

Hameln den s. Novemtcr 180S.

Das beigelegte Dokument, theure Freundin, wird Ihnen dasLoos verkünden, das mir gefallen; noch ist die Zeit nicht da, da ichein eigenmächtiges Leben antreten kann und darf.

Ich liebe mein Volk und Land, und bin ein Verwiesener, undbin in die Acht erklärt. Hart sind die Widersprüche, die aufmir lasten. Als Belege für meine Denkungs- und Handlungs-weise wünsche ich dies Blatt in die Hände meines Bruders und mei-ner Familie. Ich ahnde wohl die Unzulänglichkeit desselben vordem fühllosen Gesetze, sollte aber der fränkische Gesandte andersdenken (wenn Sie denselben in Ihrem Hause sehen, oder sonst spre-chen können), und könnte mir in andern bessern Tagen darüber einPaß nach Frankreich ertheilt werden, so sollte es mich ungemeintrösten und freuen. Denn wahrlich, wahrlich, ich denke meineFreiheit wieder zu erwerben, so bald als thunlich, und unter Zwangleben hat mich schon zu viel gekostet!

Ich erhalte so eben einen Brief von Ncumann aus Göttingen,wohin er mit Neander sich geflüchtet hat. Die Universität Halle,mein zweites Land, hat aufgehört zu sein, und ich wüthe in meinemHerzen. Schrecklich, schrecklich! Die Freunde haben gelitten, undleiden noch sehr viel. Von Varnhagen weiß er nichts, ich sageihm das Wenige, das ich weiß, und bitte Sie, wenn Sie es nochkönnen, an Varnhagen wissen zu lassen, was ich Ihnen sage.

Nach einer langwierigen Fußreise, während deren Neander krankgeworden, verlassen von allem, sind sie in Göttingen angekommcn,wo ein dortiger Doktor Gesenius ihr Schutzengel geworden ist.

Verzeihen Sic, theure Freundin, unsere Frohndienste sinddrückender geworden, und nur in späten Stunden der Nacht, die ichdem Schlafe abborge, kann ich zu meiner Feder kommen, ver-zeihen Sie diese schlechtgesetzten Zeilen. Ich rechne abermals aufIhre Güte, meinem Bruder das eingelegte Wort und das Schick-salsblatt übersenden zu wollen. Vergeben Sie mir noch eine zu-