Druckschrift 
Die Szekler und Ungarn in Siebenbürgen
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

Gastfreundschaft und ritterliches Wesen, vor allem Nationalstolzkennzeichnen das Gemüthsleben der Siebenbürger Ungarn.

Sitte und Brauch der Ungarn wo noch vorhandensind denen der Szekler dem Wesen nach gleich und lassen sichohne Zweifel auf uralte religiöse Gebräuche zurückführen. Kircheund Staat haben auch in Siebenbürgen, wie gegen viele andereUeberlieferungen des Heidenthums, so auch gegen althergebrachteFamiliensitte und Brauch seit Jahrhunderten einen barbarischenKampf geführt. Es ist ihnen auch gelungen, dieselben auf einenges Gebiet zu beschränken; denn nur hier und dort, in ent-legenen Bergwinkeln oder von den Heerstraßen des modernenHandels weit entfernten Dörfern lebt noch alter magyarischerBrauch fort, und gar merkwürdig ragen diese Trümmer einerverschollenen naiven Zeit in unser altkluges Jahrhundert hinein.Dem Volke ist inzwischen das Verständlich für ihre Bedeutung,abhanden gekommen; es weiß nichts mehr von der tiefen Sym-bolik, welche all diesen Sitten und Gebräuchen zu Grunde liegt;es beurtheilt dieselben nur nach dem äußeren Scheine, und selbstdie Dorfbewohner wenden sich in dieser Zeit der wachsendenProsa von dernutzlosen Spielerei" immer entschiedener ab,und es ist wahrlich die höchste Zeit, von den zerstreuten Trümmernauf dem Gebiete des Volksglaubens der Siebenbürger Ungarnund Szekler so viel als möglich zu sammeln, damit dadurch dieFrage über die Abkunft der Szekler in gehöriges Licht gerücktund ihrer Auflösung näher gebracht werde.

Durchforschen wir nun, wenn auch nur oberflächlich, Sitteund Brauch der Szekler und Ungarn Siebenbürgens, so werdenwir für die Volkskunde einerseits wichtige Beiträge gewinnen,die uns andererseits abermals den Beweis liefern, daß geradeauf diesem Gebiete des Volkslebens Ansichten, Aberglauben uni>Gebräuche zu finden sind, die im Laufe der Jahrhunderte, viel-leicht Jahrtausende, trotz mancher Veränderung doch ihrem< 602 >