(§s ist merkwürdig, daß geographischer und ethnographischerEntdeckungseifer von Siebenbürgen sich nicht mehr angezogenfühlt, dessen Landschaften dem Wanderer höchst eigenthümlicheAnsichten, kräftige Unirisse, mannigfaltig reiche Farbenmischungin der Natur sowohl, als auch im Menschenleben bieten. Esist ein Zauber uralten Lebens, der über den Gauen Sieben-bürgens liegt. Schon in der Daker- und Römerzeit erhobensich hier gewaltige Kastelle, welche die Straßen beschirmten;noch zeigt der Boden die Spuren Derjenigen, die ihn damalsgepflügt, und die stillen Gräberreihen, in denen Lust und Mühsalihres Lebens zur Ruhe kam. Dann strömten die Fluthen derVölkerwanderung über das Land, deren Spur auch noch haftetin Zeichen an Mauer und Erde. Doch über dem Waffenlärmund Weidruf heidnischer Völker sowohl, als auch über demGlockenschall und Allelujagesang späterer christlicher Einwandererschwebte die tiefe, waldgrüne Einsamkeit, die bis in die letztenJahre dieselbe geblieben ist.
Nichts läßt sich mit der eigenartigen Schönheit der sieben-bürgischen Landschaften vergleichen, welche man selbst auf einerEisenbahnsahrt durch das Land voll Bewunderung an sichvorüberziehen läßt. Diese endlosen Höhenreihen mit ihren dunkel-grauen Riesenterrassen erscheinen wie von unzähligen Kuppeln,
Sammlung N. F. V7. 187. 1* (5S7)