24
Satire und der Minus, stark gräcisirt ward die Atellane zuSullas Zeit von den Dichtern Pomponius und Novius. Dochblieb sie mit dem Mimus bis zur spätesten Kaiserzeit immerdas Symbol der Frechheit und Obscönität.
Der Mimus kann hier füglich übergangen werden, obwohler trotz seines griechischen Namens (— Nachahmer, nämlich desAlltagslebens) ohne Zweifel bei den ursprünglichen BewohnernItaliens ebenso von alters her bestand, wie bei den stammverwandtengriechischen Einwanderern. Man verstand unter „mimi" Tau-sendkünstler („seurrao"), die entweder einzeln oder in Kompagnieherumzogen, um durch gute und schlechte Späße, Zoten, Gesang,Tanz und Gestikulation die Leute zu vergnügen und sich so dasBrot zu verdienen; ebenso hieß das Gewerbe „mimus". Oftwurden dieselben auch von reichen Leuten zur Belustigung desHauses unterhalten, wie später die Hofnarren, um namentlichbei der Tafel ihre Herren zu erheitern. — Ein solcher Wett-streit zweier „sourruo", von Horaz in der Satire „Die Reisenach Brundisium" geschildert, zeigt, wie populär jenes Geschlechtbei den Römern war und wie selbst geistreiche Männer an denziemlich faden oder hahnebüchenen Scherzen solcher Leute Gefallenfanden. — Da jedoch die künstlerische Ausbildung des Mimuserst in die Zeit Ciceros fiel, so kommt derselbe hier nicht inBetracht.
Wir haben gesehen, daß, abgesehen von der Tragödie, eskeine Dichtungsart gab, deren Ursprünge ohne jede Nachahmungder Griechen sich nicht auch in Latium Nachweisen ließen.Woher kam es nun, daß trotzdem jene Anfänge nicht zur Blüthekamen, vielmehr großentheils verkümmerten, das Latein ver-wilderte, so daß, als Rom seit der Mitte des 5. Jahrhundertsd. St. einen neuen geistigen Aufschwung nahm, die römischeDichtung verachtet war bei den Eingeborenen wie bei denFremden, die sie bald umgestalteten, da sie von Livius Andronicus
MS)