Druckschrift 
Ueber die Volksdichtung der Römer
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

freßlustig wie redselig, Pappus ein geschwätziger und vertrauens-seliger Alter, endlich der Dossennus, (vonäorsuur", Rücken),wahrscheinlich ein buckeliger Jndustrieritter und Intrigant, derzugleich von Weisheit überfloß, deränttvrs" der modernenitalienischen Komödie.

Sonst war der Inhalt dem Alltagsleben, ländlichem oderstädtischem, wie es sich in den unteren Kreisen der Gesellschaftabspiegelt, entlehnt und entsprechend derb, ja grotesk behandelt.

Alles dies aber läßt im Ungewissen die Erklärung desNamensAtellana"; denn die oben geschilderten Eigenheitendieser Dichtuugsart stimmen ebenso zum latinischen wie zum kampa-nischen Volkscharakter. Außerdem war die Atellane seit uralterZeit in Rom eingebürgert. Für die Sympathien, deren siegenoß, ist bezeichnend der Umstand, daß sie das einzige Bühnen-spiel war, das bis zur Zeit des Augustus von Römern ohneVerlust ihres Bürgerrechtes und ohne Rüge seitens der Censorenaufgeführt werden durfte, während alle übrigen Arten, wenigstensseit der neuen Kunstschule des Livius Andronicus (240 v. Ehr.),von Nichtrömern, meistens griechischen Sklaven und Freigelassenen,ausgeführt wurden.

Wahrscheinlich ist die BenennungAtellana" erst späterenUrsprungs. Ob sie aber daher rührt, weil in Atella, derzweiten Stadt Campaniens, dergleichen Possen mit besondererFertigkeit gepflegt wurden, oder solche so zum Spott der Atel-laner genannt wurden, sei es von den Campanern, sei es nachNiederwerfung dieses Ortes, der im zweiten panischen Kriege mitCapua zu den Karthagern abgefalleu war und nach seinerWiedereroberung wie dieses grausam gezüchtigt und seiner städti-schen Rechte beraubt wurde, von den Römern (man vergleichedie deutschenSchildbürgerstreiche",Krähwinkeleien"), bleibtungewiß.

In die Litteratur eingeführt und dadurch, ebenso wie die

( 375 )

j

«

'.'I

' l

-