Druckschrift 
Ueber die Volksdichtung der Römer
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

Wer vermißt noch des Saturnus goldene Zeiten? Dieunseren sind gar von Edelstein, doch von deni des Nero."

Es war eine häufige Schmeichelei zur Zeit der Kaiser,das goldene Jahrhundert sei zurückgekehrt. Ablavius meint,die Gegenwart gleiche sogar einem Edelstein, aber freilich demnach Nero, dem Mutter- und Brudermörder benannten.

Die Thätigkeit der ältesten Römer war noch weit mehrals die der Griechen in ihrer Blüthezeit vornehmlich dem Staatgewidmet. Aber auch das Privatleben behauptet seine Rechte.Betrachten wir nun die Dichtungen, die auf dieses Bezug hatten.

Zunächst versteht es sich von selbst, daß solche Lieder denRömern nicht fehlten, deren Existenz so zu sagen in der Naturder einzelnen Menschen, sowie der menschlichen Familie be-gründet ist. So wissen wir sicher, daß es Trinklieder gab.Und bedarf es eines Zeugnisses für Liebeslieder? Die geschlecht-liche Neigung ist ja das Gefühl, das sich am wenigsten in denkonventionellen Fesseln der alltäglichen Prosa zu halten weiß.

Immerhin darf man annehmen, daß auch in den römischenTrink- und Liebesliedern, entsprechend dem Charakter des Volks,das realistische Element auf Kosten des idealistischen beträchtlichvorgewogen hat.

Ebenso gab es natürlich Gesänge, um Kiuder einzuschläfernoder zu beruhigen und willig zu machen. Ebensolche werdenerwähnt für die Kinderspiele.

Von diesen haben wir noch einige Beispiele, freilich ausspäterer Zeit. So hieß es bei einem Spiel, das den Siegerzum König machte (auch die Vorsitzer bei Gelagen hießen Könige):

König wird, wer recht thut, wer nicht recht thut, wirdes nicht."

Bei einem Wettlauf rief der Leiter des Spieles:

Die Krätze soll kriegen, wer zuletzt zu mir kommt."

Wie bekannt, war bei den Römern der ältesten Zeit, bis

Mo)