viel zu wenig erhalten, als daß wir über ihren Inhalt imKlaren wären.
Ohne Zweifel hatte jede vom Staat verehrte Gottheit auchihre Lieder und Gebete, die bei bestimmten Festtagen, oder woes sonst galt Segen zu erflehen oder Unheil abzuwehren, vonden Priestern und den sonst Betheiligten vorgetragen wurden.Doch kennen wir nur wenige Einzelheiten.
Uralt, nach Varro das älteste Denkmal römischer Dich-tung, waren die Gesänge der Salier, deren Ursprung zugleichmit dem Kollegium selbst auf den fabelhaften König Numazurückgeführt wurde. Ihre Anzahl betrug ursprünglich, ent-sprechend der Zahl der Hauptgötter, zwölf, wurde aber späterverdoppelt. Man erlas sie aus älteren und jüngeren Mitgliedernder vornehmen Gesellschaft. — Der Name „salii" bedeutetTänzer. Genannt sind sie davon, daß sie bei festlichen Gelegen-heiten, besonders im März, dem Monat des Frühlings und altenJahresanfangs der Latiner, in phantastischem Aufzuge tanzendund singend durch die Stadt zogen. — Denn die Abneigungder Römer gegen den Tanz von Männern (bekannt ist ihrSprichwort: „niemand tanzt nüchtern") galt nicht für religiöseFeierlichkeiten. — Die Tänze waren begleitet von Liedern.
Das berühmteste von diesen verkündete das Lob der zwölfHauptgötter („äi oovssntsg") des römischen Volkes, vor allemdes Mars, des uralten Sonnen- und Frühlingsgottes, den diespätere Sage zum Gott des Krieges und Stammvater der Römermachte. Auch der Helden der Vorzeit ward gedacht, nament-lich des Romulus und Remus. Am Schluffe ward verherr-licht Mamurius, eigentlich wohl nur ein anderer Name fürMars (der auch Mamers, Mavors hieß), nach der Sage jedochder Schmied der elf Schilde („anoilia"), welche nach dem Mustereines angeblich vom Himmel gefallenen gefertigt waren. Andiesem sollte nämlich das Heil des Reiches hängen, und um