Geschicke der Götter und Könige, sowie die Thaten oder Leiden desgesamten Volkes verherrlicht, dann die Lyrik, welche den Em-pfindungen verschiedener Gruppen, wie sie Geschlecht, Alter,Neigung und Stand in der menschlichen Gesellschaft entwickeln,zuletzt sogar jedes Individuums, so zu sagen, ihr Recht gewährt,das subjektive Gefühl zum Ausdruck bringt, endlich das Drama,welches wieder die Interessen des Einzelnen mit denen desStaates und der Gesellschaft zu versöhnen und auszugleichensucht, an Beispielen von Befolgung oder Verletzung der bestehen-den göttlichen und weltlichen Gesetze und Bräuche Rechte undPflichten des Bürgers darlegt, und so, gleich dem Epos, andas ganze Volk appellirt.
Entsprechend der Tradition, daß die Poesie ein unmittel-bares Geschenk der Gottheit sei, bestimmt, die Menschen aus demthierischen Zustand zur Bildung und Gesittung überzuführen,hießen bei den ältesten Römern die Dichter religiöser Gesängeund sonstiger Lieder von höherem Schwünge „vates", d. h.„Propheten". Wie die Verfasser anderer Dichtungen genanntwurden, ist unbekannt; vielleicht, als wandernde Sänger,„spatiatorss" oder, nach der unten erwähnten Dichtungsart,;fts80Muiui". — Wie bei allen rohen Völkern, war ursprüng-lich bei den Römern die Poesie von Gesang und Musik unzer-trennlich. Deshalb hieß die Beschirmerin der Dichtkunst„Oaiusua" (ursprünglich „Oamusua", von „oausrs", „singen");wie auch die alte Göttin der Weissagung „Oariusutis" genanntwurde. Das einzige musikalische Instrument der Römer warlange die Flöte; später nahm man von den Griechen die Zitherund Lyra an. — Mit dem Gesänge waren oft Tänze undrhythmische Körperbewegungen verbunden.
Sicherlich spielten bei einem so frommen, mit peinlicherSorgfalt die gottesdienstlichen Zeremonien wahrenden Volke diereligiösen Dichtungen eine große Rolle. Doch ist von diesen
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