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Ueber die Volksdichtung der Römer
Entstehung
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seit ältesten Zeiten alle Arten der Dichtung gepflegt. Daß siesich nicht zur Blüthe entfalteten, wie bei den Griechen, vielmehrstagnirten oder abstarben, hat den Grund in der verschiedenenBegabung und der verschiedenen Entwickelung beider Völker.Denn während bei den Griechen mit Ausnahme Spartas stetsder freien Entwickelung jedes Einzelnen ein beträchtlicher Spiel-raum gelassen war, ferner seit dem peloponnesischen Kriegeimmer mehr das staatliche Leben zurückging, bis sie durchPhilipp von Macedonien die Freiheit verloren und endlich ohneeigene Geschichte nur noch als Pioniere der Kultur im römischenWellreiche fortlebten, entwickelte sich der römische Staat zubeispielloser Macht und Größe, aber freilich unter solchen Mühenund Kämpfen, daß er die Kraft und das Streben der Bürger fastganz absorbirte, ihnen kaum Zeit zur Bestellung ihrer häuslichenAngelegenheiten ließ, geschweige zu den Werken der Musen.

Darüber werden wir noch später einige Worte sagen.Nunmehr wollen wir uns mit den ältesten, bis zum Ende desersten punischen Krieges, also ohne nennenswerthen Einfluß derGriechen, in Latium kultivirten Dichtungsarten befassen.

Wir schicken voraus die Bemerkung, daß es sich im Fol-genden durchaus nur um kleinere Gedichte handelt. Eingrößeres, einheitlich gestaltetes Kunstwerk hat die römische Vor-zeit nicht geschaffen.

Wie bekannt, zerfällt die Poesie in epische, lyrische, drama-matische. Den Stoffen nach ist sie entweder religiösen oderweltlichen Inhalts.

Mau darf annehmen, daß all diese verschiedenen Arten,seit sich die Menschheit zu den ersten Anfängen höherer Kulturemporgearbeitet hatte, gleichmäßig bestanden. Aber wie dasBeispiel der griechischen Poesie zeigt, der einzigen, die sich ganznaturgemäß ohne fremde Einwirkung, voll entwickelt hat, gelangtzuerst zur künstlerischen Vollendung das Epos, welches objektiv die

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