464
Bri
Die Entfernung des Brillenglases vom Auge änderthierinn nichts; nur übersieht man desto mehr vom Gegen-stände, je naher das Glas dem Auge steht.
Lonservarions- oderpräservationsbrülen wer-den diejenigen genannt, die eine sehr große Brennweite,z. B. zo—50 Zoll haben. Man macht sie insgemeinvon grünem Glas, und wenn sie alsdann zur Erhaltungdes Gesichts dienlich sind, so geschieht dies durch die grüneFarbe, die den allzustarken Eindruck des Lichts verhindert.
Die Brillen tragen so viel zur Erleichterung der Be-schwerden des Alters bey, daß man sie mit Recht zu dennützlichsten und wohlthätigsten Erfindungen der Menschenzahlt. Die Griechen und Römer kannten sie nicht; Ge-neka nar. l.. I. C3P. 6.) führt zwar an, daß eine
mit Wasser angefüllte Glaskugel die Buchstaben vergrös-siere; er setzt aber die Ursache hinzu: guia 3c'e; nollrg injmmicko labirur, nec apprebenciere , guocl vulr. llllelicerpocelk — ein Ausdruck, der die damalige Unwissenheitüber die Theorie der Brechung und die wenige Bekannt-schaft mit der Sache selbst deutlich genug an den Tag legt.Man findet auch nirgends, daß dergleichen Kugeln zu Er»leichterung des Sehens gebraucht worden wären.
Erst im zwölften Jahrhundert nach C.G. findet manin der Optik des Arabers Alhazen (l- Vtl. rbcor. 1, g.)eine deutlichere Meldung davon, daß eine Sache an dieEbne des größer» Segments einer Glaskugel gehalten,vergrößert erscheine. Roger Bacon, der um das Endedes dreyzehnten Jahrhunderts lebte, redet in seinem Opusmajus ziemlich weitlauftig davon, daß der kleinere Ab-schnitt einer Kugel von Glas (d. i. eine planconvcxe Linse)auf Buchstaben gelegt, dieselben deutlicher und größermache, allein seine Erklärungen davon beruhen auf scho-lastischen Distinctionen und schwankenden Vorstellungen.Man findet die ganze Stelle im Gmirh (Lehrbegr. d. Opt.durch Kästner, S. Z78.), wo zugleich aus Bacons Fehl-schlüssen sehr wahrscheinlich gemacht wird, daß er nichtnach Versuchen geschrieben habe.