Druckschrift 
4 (1791) Von See bis Z : mit sechs Kupfertafeln
Entstehung
Seite
399
Einzelbild herunterladen
 

Tro

399

der untere Theil des Tropfens trennt sich von dem ober»,der am Glase anhängt, so daß niemals der ganze Tropfen,sondern nur ein Theil desselben, vom Glase abfallt.

Wenn zween Tropfen von einerley Flüßigkeit auf einerreinen Oberfläche, von der sie wenig gezogen werden, zurBerührung kommen, so fließen sie augenblicklich in eineneinzigen Tropfen zusammen. Am deutlichsten sieht mandieses an kleinen sehr reinen Ouecksilberkropfen auf reinemglatten Papier oder auf einem Glaöspiegel. Wenn abermehrere Tropfen Wasser oder Weingeist auf Glas nebeneinander liegen, und einer davon nach und nach bis zur Be-rührung mit den andern vergrößert wird, so vereinigen siesich zwar auch, aber nicht so vollkommen ; sie bilden viel-mehr eine längliche Figur, die in der Mitte einen schmalenHals behält. Dies kömmt daher, weil die Wassertheile,welche das Glas zuerst benetzt haben, an demselben so starkanhängen, daß sie von den zusammenfließcnden Theilen derTropfen nicht losgerissen werden können; daher sich derneue Tropfen an den einmal benetzten Stellen des Glasesweiter verbreitet, als in der Mitte, wo das Glas vorhernoch trocken war. Tropfen von geschmolzenem Zinn, Bley,Wismuth u. dergl. aus heiffem Eisen verhalten sich, wieO.uecksilbertropfen auf Glas.

Auch dieses Zusammenfließen der Tropfen hat man ausdem Drucke der Luft erklären wollen. Die Ausflüße ausdem einen Tropfen sollten wegen der ähnlichen Gestalt derPoren sehr häufig in den andern eikidringen und die zwischenbeyden befindliche Luft aus der Stelle treiben, daher derSeirendruck der umliegenden Luft die Tropfen zusammen-triebe. Aber die Ausflüße, welche die Luft vertreiben sol-len, sind doch nur erdichtet, und alles erfolgt im luftleerenRaume genau so, wie im luftvollen. Mit eben so wenigGlück hat man nachher den Aether an die Stelle der Luft zusetzen gesucht. Dieser würde die Tropfen durchdringen, al-so nicht zusammentreiben. Die Gelehrten würden, wieMufschenbroek sehr richtig sagt, solche Erklärungen garnicht erdacht haben, wenn sie sich die Mühe genommen hät-ten, die Versuche selbst anzustellen. Diese zeigen sehr deut-