Ivo
Antriebe meiner treuen Freundschaft zu folgen. Ichmeine, einem Freunde zu dienen, ist Pflicht, und nurden zu lieben, welcher mich wieder liebt, ist ein Han-del; aber dem zu dienen, der mich anfeindet, michverabscheut, verfolgt, das heißt in Gottes Sinne han-deln, das heißt dem höchsten Gesetze gehorsam seyn,welches dieses befiehlt, und es ist eine große Freudeund Beruhigung so handeln zu können. Wahrlich, ichentschuldige und beklage Euch, daß Euch Eure Leiden-schaften so sehr verblenden; und mich mahnt dabei dieStimme dessen, dem ich Alles schuldig bin. Wenn ichhingerissen von meinen Leidenschaften ihn betrübte, soließ er seine Sonne über mich scheinen und erquicktemich durch Ströme seiner Segnungen, welche allmähligmein hartes Herz erweichten; und zu bessern Gefühlenempfänglich machten. So handelte der gegen mich,der meine Seele schuf, und nun muß sie auch ihm die-nen. So will auch ich gegen Euch handeln. Nein,mein Sohn, ich verlange nicht, daß Ihr mich liebt;ohne dieß werde ich Euch forthin lieben, wie ich Euchbisher geliebt habe. Nahe oder ferne werde ich Euchimmer folgen, und den Himmel inbrünstig anflehen,daß er mir beistehe. Ich will nicht «blassen, einen Un-dankbaren glücklich zu machen; glücklich werde ich seyn,wenn es mir gelingt, «nd dann selbst, wenn es nichtgelingt, will ich unaufhörlich in diesem Bestreben fort-fahren; denn mein Glück hängt von dem Eurigennicht ab, sondern von der Hilfe des Himmels und