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Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
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Spiga baten sie, bei den katholischen Reichsfürsten um Hülfe für sieeinzutreten. Es handelte sich um Einquartierung von Soldaten auf dieKlosterhöfe, um übermäßige Steuern, um Verletzung ihrer Gerechtigkeiten,Verbot der Benutzung der Klostermühlen, Wasserentziehung derselbenu. s- w.

Der neue König Friedrich Wilhelm I. begann sogleich mit neuenVorbereitungen zu Repressalien. Ein Angstschrei ertönte wieder aus allenKlöstern. Suchten sie Hülfe, so mußten sie neue Unbilden fürchten. Gabihnen der Bischof einen Rath, wollte er selbst Vorgehen, dann kam dieFurcht immer zuerst zur Geltung, daß mehr Böses als Gutes daraus zuerwarten sei. Man sann auf fernliegende Hülfe. Der Abt von Huys-burg bat den Bischof, er möge sorgen, daß auf dem Friedensschluß mitFrankreich Repressalien verboten und die Einhaltung der Bestimmungendes Westfälischen Friedens noch einmal möchte cingeschärft werden').Der Nuntius in Köln, dem der Bischof diesen Vorschlag machte, ant-wortete^), daß er nur mit Hülfe des französischen Nuntius dahin arbeitenkönne, aber er habe keine Lust, es zu thuu. Indessen wolle er es Romüberlassen, diesen Weg zu beschreiten.

Ein Dccret des Königs vom 21. April 1714 verlangte von denKlöstern, daß sie die Abschaffung der bekannten Clausel des RyswickerFriedens bewirken sollten, durch welche bestimmt war, daß der kirchlicheBesitzstand in der Pfalz in dem Zustande solle aufrecht erhalten werden,wie ihn die Franzosen während der Occupation des Landes zum Vor-theil der katholischen Kirche geschaffen hatten. Der Bischof suchte überallbei den katholischen Fürsten Hülfe für die Klöster. Der Kaiser, an dener gleichfalls sich gewandt, beauftragte den Reichs-Vicekanzler, die Sachezu untersuchen. Auch der Papst schrieb deshalb an den Kaiser, undZusicherung ihrer Hülfe erhielt der Bischof von Seiten mehrerer Fürsten.Den Cardinal Paolucci hatte er bereits im Mai 1714 von allem inKenntniß gesetzt und gebeten, daß der Papst den Kaiser und den Königvon Frankreich um Hülse auffordere, damit sie gemeinsam den schon seit50 Jahren gequälten Klöstern Hülfe brächten. Er ist der Meinung, daßman die Ryswicker Clausel aufgeben solle, weil man eins gewinne,aber sechs Mal so viel verliere^).

In Wien nahm man die Sache wenig ernst. Der Kaiser habe siemehr „unbesonnen als erheblich erachtet", schrieb der Reichs-Vicekanzler

0 Stcffani an Johann Wilhelm 10. Jan. 1713. Hannov. St.-Ä. Korrespondenz desBischofs von Spiga mit Johann Wilhelm.

h Archinto an Spiga 21. Jan. 1714. Das. Korrespondenz mit dem Kölner Nuntius,h Archiv der Propaganda LliWioui ssttsntrionali aä unnurn 1714. Vol. I, tot. 288.