89
der absichtlich das Gerücht verbreitet habe, um ihn zu hindern, die ein-geschlichenen Mißbräuche zu beseitigen und um ihn fern zu halten. DenKurfürsten Johann Wilhelm bat er, sogleich bei dem Minister von Blaspielanzufragen, wie die Sache stehe. „Nach Rom aber bitte ich," fügt erhinzu, „sagen zu lassen, daß dies der Vortheil sei, den das lange Schweigengebracht, und daß man mich verhindert habe, nach Berlin zurückzukehren,um eine Sache in's Reine zu bringen, die für unsere Religion von sogroßem Nutzen, und für das Pontificat unseres heiligen Vaters so glor-reich sein könnte." Johann Wilhelm kam dieser Bitte sofort nach. Mitallen Mitteln und bei allen bekannten Cardinälen ließ er für die Erfül-lung der Forderungen des Bischofs drängen, und auch nach Berlin gingenseine Anfragen.
Steffani's Vertrauen auf Rom war in dieser Zeit auf ein sehr geringesMaß herabgesunken; er war voll Bitterkeit über die geringe Hülse, die ihm zuTheil werde. Man hatte ihm mitgetheilt, der Papst habe von ihm gesagt:„Er hat viel geschrieben, aber in der Thal wenig vollbracht." Das sei nunder Lohn für seine vielen Mühen, schrieb er an Johann Wilhelm, demer, wie auch dem Kurfürsten von Mainz sein Herz ausschüttete. DiesUrtheil komme daher, daß er zu viel verlangt habe. Aber was er ver-langt habe, sei sehr leicht. Und ob das nichts zu bedeuten habe, daß einkatholischer Bischof offen und feierlich seine Pontificalien ausübe in Län-dern, wo dies seit Jahrhunderten nicht mehr geschehen, wie im Gebietedes Königs von Preußen? „Aber wenn der Bischof von Spiga diemoralischen Mittel verlangt, um ihm den Besuch am preußischen Hofezu ermöglichen und jene Hoffnungen zu nähren, die E. K. H. bekanntsind, werden sie ihm nicht verweigert? Und dann, woher kommt jenerHaß, der in den Herzen der protestantischen Fürsten gegen den Papstfortwährend wächst? Woher kommt es, daß sich jene Furcht vor derAuctorität des heiligen Stuhles immer vermehrt? Woher entspringt derGroll, womit der Geist der katholischen Reichsfürsten sich erfüllt? Miteinem Worte: Der Verlust der Freunde, woher kommt er? Von derThorheit der Fürsten? Oder vielmehr von dem Verhalten der Ministerdes heiligen Stuhles? Habe ich verkehrt geredet, so sagen Sie es mir,da Sie wissen, daß ich gelehrig bin. Aber rede ich recht, wie ich glaube,so gestatten Sie gütigst, daß ich es Ihnen sage, daß es sich hier nurum die Religion und um nichts anderes handelt; um unsere Religion,sage ich, die so leicht befestigt und verbreitet werden könnte, die ich mitThräneu in den Augen schwinden sehe. Indessen lassen Sie uns nochein wenig Geduld haben, vielleicht hilft uns der liebe Gott, da es sichum ihn handelt." Johann Wilhelm möge noch einige Monate fortfahrenin Rom zu drängen. Wenn auch das vergeblich sei, so möge der Kur-