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Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
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in einem länger» Schreiben. Vom Kölner Nuntius wurde er ausge-fordert, ruhig seine Functionen fortzusetzen und ihm und dem heiligenStuhle die weitere Sorge zu überlassen ^). Er möge den Widerspruchbei seiner Arbeit für Gott und seine Kirche ansehen als ein Zeichen, daßdieselbe von dem Wohlgefallen Gottes begleitet sei, und um so rüstigerweiter arbeiten.

Allein der Weihbischos von Hildesheim beruhigte sich nicht dabei,sondern protestirte in aller Form durch einen öffentlichen Notar gegenund vor Steffani. Der Nuntius meinte, der Bischof von Spiga mögediese Proteste nur geschehen lassen, es gebe juristische Mittel dagegen.Das eine nur scheine ihm bedenklich, daß Steffani öffentlich Pontifical-Handlungen in jenem Gebiete ausübe, für die es keine Präcedenzfälle beiseinen Vorgängern gäbe. In dieser Beziehung möge er mit einiger Vor-sicht verfahren. Wenn er die betreffenden weltlichen Fürsten für sichhabe, so habe er nichts zu fürchten.

Aber gerade in diesem Punkte kamen neue Schwierigkeiten. EndeNovember schrieb zwar Herzog Anton Ulrich dem Bischof von Spiga,daß er auf Klageschriften des Hildesheimer Ordinariats, in denen er umHülfe gebeten werde, erwidert habe, er wolle sich in die Sache nichteinmischen. Allein in derselben Zeit hatte er bereits in Rom begehrt,den ?. Hamilton, seinen Beichtvater, zu seinem Bischof zu haben. DerNuntius von Köln hielt das für unthunlich und arbeitete in Rom mitSteffani dagegen.

Der Herzog, dem des Letztern Meinung bekannt war, schrieb ihm,daß er einfach bei der Entscheidung des Papstes sich beruhigen werde.Wenn es jedoch geschehen sollte, so würde dies der Jurisdiction des aposto-lischen Vicars nicht den geringsten Eintrag thun.

Die Anwesenheit des U. Hamilton bei Anton Ulrich war dem Bischofüberhaupt gar nicht recht. Der Pater war durch den Cardinal vonSachsen in dessen Nähe gekommen. Gleich nach seiner Ankunft schriebSteffani darüber an den Kurfürsten von Mainz (24. April 1710): „DieErscheinung des ?. Hamilton ist eigenthümlich. Weshalb mischt sich derCardinal von Sachsen in die Sache? und weshalb die Kaiserin? Müssenwir denn immer solcher Art Dinge auf dem Halse haben, die uns hin-dern, die Wege einzuschlagen, die uns der liebe Gott öffnet? DerU. Hamilton ist ein sehr ehrenhafter Mann, und tief gelehrt, ich kenneihn seit 45 Jahren. Aber hier ist er der rechte Mann nicht. An derDonau weiß man nicht, was an der Weser noch thut. Und wenn man

') Hannov. St.-A. Corrcspvndenz des Kölner Nuntius mit Steffani. Brief vom2. Nov. 1710.