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Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
Entstehung
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wünschungen, welchen Gefahren setzt sich nicht ein Fürst aus, der sichüberreden läßt, eine solche Veränderung zu machen? Was ist nichtgeredet worden von dem Herzog Anton Ulrich? Es ist viel geredet,antwortete ich, und man sagt nichts mehr; ein offenes Zeichen, daß dieUnannehmlichkeiten nur kurze Zeit dauern. Ich, sagte er, würde jedocheine haben, die größer ist als die andern, da in unfern Familien-verträgen, welche die Fundamentalgesetze unseres Hauses ausmachen, einesist, daß ein Fürst, der die katholische Religion annimmt, nicht mehr alsRegent betrachtet werden soll. Diese Bestimmung, sagte ich, ist einwenig zu sehr irreligiös. Allein da gibt es Gegenmittel. Es fehltIhnen nicht an Freunden, die für Ihre Erhaltung Sorge tragen würden.Aber, erwiderte er, welches Mittel gibt es gegen eine Sache, die feier-lich und in voller Einmüthigkeit vor 150 Jahren festgesetzt ist? Undwenn es, erwiderte ich, Mittel gibt, um Dinge zu ändern, die vor vielenJahrhunderten festgesetzt sind, sollte es da nicht Mittel geben, um eineungerechte Sache zu ändern? Aber gesetzt auch, daß die Schwierigkeit,was nicht der Fall ist, unüberwindlich wäre, und wenn Sie überzeugtwären, daß Sie in der Religion sich im Jrrthum befunden, und daß eszu Ihrem ewigen Heile nothwendig sei, katholisch zu werden, wollten Siedenn verdammt werden, um nicht die Qualität eines regierenden Fürstenzu verlieren? Gott bewahre mich davor, erwiderte er. Gut also, fuhrich fort, kein Mensch verlangt von Ihnen, daß Sie ihre Religion wechseln,wenn Sie nicht überzeugt sind, daß Sie dazu im Gewissen verpflichtetsind. Wollen und können Sie den Vorschlag des Kurfürsten abweisen,daß Sie untersuchen möchten, ob Sie in der wahren Religion sind odernicht? Wollen Sie nicht anerkennen, daß es sich um eine höchst wich-tige Frage handelt? Gestatten Sie, daß wir darüber reden, aber nichtmit Disputirgeist, woraus nichts Gutes zu erhoffen ist, sondern mit derAbsicht, die Wahrheit zu finden und anzunehmen, wenn man sie findet.Und der Kurfürst, der nichts von Ihnen begehrt gegen die AussprücheIhres Gewissens, wird zufrieden sein mit dem, was ich eben gesagt habe.Ich kann, erwiderte er, dem meine Zustimmung nicht versagen, was Siemir vorgetragen haben, aber, um offen zu reden: jetzt ist keine Zeit dazu.Ich bin zu sehr verwirrt, zu sehr damit beschäftigt, mich zu vertheidigengegen die Jntriguen des Herzogs von Gotha, zu sehr betrübt über diegrobe Ungerechtigkeit, mit der ich bedroht bin. Möge der Kurfürst dieGüte haben, mir zu helfen, daß ich Ruhe bekomme, da ich jetzt an eineSache denken muß, die alle meine Gedanken, meinen ganzen Geist, denganzen Menschen beschäftigt.

Dieser letzte Vorschlag schien mir so vernünftig, daß ich es fürangezeigt hielt, dem schon genug erregten Geiste des guten Herzogs Ruhe