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Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
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hat er sich um die elftere in rührender, väterlicher Sorge nicht geringeVerdienste erworben. Darüber mag hier noch einiges seinen Platz finden,nachdem die Geschichte dieser Mission im Uebrigen eine Wohl genügendeBearbeitung gefunden hat*).

Es war auf Veranlassung des Bischofs geschehen, daß der Fran-eiscaner-Patcr Markus Verkühlen aus Halberstadt die Mission in Halle1710 begann, die er anfangs ungestört fortführen konnte. Aber am29. October 1716 in Abwesenheit des U. Markus wurde seine Kapelleauf Befehl des Königs erbrochen und das heiligste Sacrameut fortgenommen.Damals war als Hofmeister des Grafen von der Natt, der an der Halle-schen Universität studirte, der Jesuiten-Pater Helffen in Halle. Dieserberichtete über die Vorgänge sofort an den Bischofs):Wie das Kind,sobald es von andern erschreckt wird, in natürlicher Erkenntniß in dieArme von Vater und Mutter flieht, so fliehe ich mit der ganzen hiesigenkatholischen Gemeinde zu dem wachsamen und seine Schafe überaus lie-benden Hirten, um in wenigen Worten die Lage der Gemeinde zu schil-dern, damit Sie uns Helsen können." Nun erzählt er den Vorgang, wiedie Kapelle und das Tabernakel mit Gewalt erbrochen und das heiligsteSacrament weggeführt sei. Der Urheber dieser That sei der Super-intendent Heinnecius und die Reformirten, welche über die Conversioneiner Familie aufgebracht seien. Mit lebhaften Farben schildert er denSchrecken der Katholiken, wie sie am Allerheiligentage weinend vor derverschlossenen Thüre der Kapelle gestanden, und wie er sie mit dem Hin-weis auf die WorteSelig Die, welche Verfolgung leiden um der Gerech-tigkeit willen" getröstet habe.

Den Eindruck, welchen diese Nachricht auf den Bischof machte, schil-dert er sogleich in einem Briefe an den Cardinal Paollucci^):Ich kannkeine Worte finden, um meinen Schmerz und meinen Schrecken zu schil-dern, die bei der Lectüre des beiliegenden Briefes (von U. Helffen) übermich gekommen. Ich zweifle nicht, daß einzig Gottes allmächtige Barm-herzigkeit mich vor der Gefahr bewahrt hat, daß nicht das Unglück Heli'süber mich gekommen ist, welches ihn traf, als ihm mitgetheilt wurde, daßdie Bundeslade in die Hände der Philister gekommen sei. Ich theileE. E. diesen Fall mit, weil ich es für nothwendig erachte, daßSe. Heiligkeit über alles unterrichtet werde. Die Bosheit ist so groß,daß nach dem Passauer Frieden von 1552 sicher etwas Schlimmeres inDeutschland nicht erlebt ist. In diesem schmerzlichen Unglück finde ichgleichwohl eine Art Gutes, wenn ich darauf sehe, daß der Gewaltstreich

fl Daselbst. fl Vaticanisches Archiv Lsttsrs ctsl Vssoovi Nil airaruir 1716,kol 440. fl Das. toi. 438. Brief ci. ä. Neuhnus, 28. November 1716.