Druckschrift 
Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

gefunden, der im Lande Erfahrung hat, der nicht vollständig mit mirübereinstimmte."

Mit dieser Sache im Zusammenhang stand das Verlangen desBischofs nach größer» Vollmachten für Dispensen in verbotenen Graden.Er besaß nach der Meinung des Nuntius solche für den dritten nndvierten Grad bei Armen und Convertiten, auch für den zweiten Grad beischon geschlossenen Ehen. Er hatte also nicht viel mehr in dieser Hin-sicht zu fordern. Der Kölner Nuntius meinte, er möge es dabei belassenund sich in andern Fällen an ihn wenden, wie es in den übrigen aposto-lischen Vicariateu der Fall sei. Allein der Bischof erwiderte, daß er diegenannten Facultäten nicht besitze, oder nur unter solchen Einschränkungen,daß er alle zehn Jahre einmal in die Lage kommen werde, von denselbenGebrauch zu machen. Auch diese Forderungen schienen der Congregationnicht erfüllbar.

In demselben Berichte des Bischofs vom Januar 1712, in welchemall' dies enthalten ist, machte er neue Vorschläge bezüglich Fundirung derMissionen. Einen derselben fand der Nuntius ausführbar, den nämlich,daß bei Ehedispensen von hohen Personen aus dem apostolischen Vicariatund den umliegenden Gegenden die päpstlichen Sporteln hierfür bestimmtund diese Personen, zumal wenn es solche aus fürstlichen Häusern seien,angehalten würden, zur Fundation der Missionen bcizutragen. Auchmöge dies geschehen, wenn fürstlichen Personen andere Gnaden zu Theilwürden, z. B. die Erlaubniß Beneficien und Pfründen beizubehalten, wennsie noch andere dazu erhielten. Dadurch würden sowohl die Herren vomAdel, welche verschiedene Canonicate re., als auch die fürstlichen Personen,welche mehrere Fürstbisthümer in ihrer Hand vereinigten, zu bedeutendenOpfern für die Missionen herangezogen sein. Es wäre gewiß viel bessergewesen, wenn dieselben zu diesem Zweck ihre Mittel verwendet hätten,als daß sie kostbare Schlösser und andere Bauten aufführten, durchwelche der Kirche wenig Nutzen bereitet ist. Der Bischof von Spigasah auf der einen Seite die Noth seiner Missionen, wie seine Missionaream Hungertuche nagten, nur die zum Lebensunterhalte auf's Nothwendigstebeschränkten Mittel hatten, wie die Kirchen und Kapellen darbten undalles auf's Aermlichste bestellt war; auf der andern Seite kannte er diePracht der fürstbischöflichen Höfe, die Verschwendung der Mittel zuDingen, welche den kirchlichen Interessen am wenigsten dienten. DieseVorschläge waren zwar die Aussprüche apostolischen Sinnes, aber that-sächlich eben so unausführbar wie die andern. Immerhin gereicht esihm zur Ehre, daß er sie gemacht hat, und ohne ein gutes Maß vonedelm Freimuth konnte er sie bei seinen freundschaftlichen Beziehungenzu den Personen, welche sie betrafen, nicht machen.