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Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
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war damals Bestand und Bewegung der katholischen Kirche in diesenLändern eine Sache der Politik. Kaum Einer konnte deshalb geeignetererscheinen, als apostolischer Vicar von Norddentschland die kirchlichenVerhältnisse der hier unter protestantischen Landesherren zerstreuten Katho-liken zu ordnen und zu leiten, als er.

Seit 1680 war er Priester. Es findet sich nirgendwo eine Andeutung,daß er bis 1709 an den verschiedenen Orten der Diaspora Norddeutsch-lands, wo er sich kürzer oder länger aufhielt, priesterliche Functionenausgeübt habe, auch in Hannover war dies nicht der Fall. Nur alsTaufpathe und unter den Wohlthätern der Mission daselbst wird ereinige Mal genannt. Daß er die Bischofsweihe empfangen habe ohnedie Absicht, in einem bestimmten Kreise bischöfliche Gewalt zu besitzenund solche Amtshandlungen auszuüben, läßt sich nicht gut annehmen.Schwerlich würde auch dem Kurfürsten von der Pfalz, Johann Wilhelm,von Rom die Bitte erfüllt worden sein, einen mit der bischöflichen Würdebekleideten ersten Almosenier zu haben, wenn er nicht ein bestimmtesbischöfliches Amt für denselben in Aussicht gestellt hätte.

In der That waren Verhandlungen, die darauf hinausgingen,bereits vor Steffani's Bischofsweihe eingeleitet. Da sie auf Gründungeines Bisthums nicht hinausgehen konnten, so handelte es sich von vornherein um die Errichtung eines apostolischen Vicariates für denselben.Im Sommer 1706 war die Sache in Rom im Princip genehmigt. Eshandelte sich noch um die Begrenzung des neuen Vicariates ^).

Apostolischer Vicar von Norddeutschland und den andern nordischenLändern war seil 1702 der Weihbischof von Osnabrück, Otto Brouck-horst, Graf von Gronsfeld und Eberstcin, Bischof von Columbrica 1. p. i.Ohne dessen Einwilligung konnte ein Theil seines Vicariates dem Bischofvon Spiga nicht wohl übergeben werden, und darum handelte es sichgerade. Derselbe wünschte das Gebiet des Braunschweigisch-Lüneburgi-schen und des Preußischen Hauses, ebenso was von kurpfälzischem Gebieteihm irgendwie übergeben werden konnte.

Im Mai 1706 ging eine Anregung dazu von Herzog Anton Ulrich vonBraunschweig aus, der dem Cardinal der Propaganda schrieb, wie sehr ange-nehm den Braunschweigischen Höfen die Person Steffani's sei für den Fall,daß eine Veränderung bezüglich der Person des apostolischen Vicars ein-trcten sollte. In gleichem Sinne berichtete der am Hofe Anton Ulrichsverkehrende Canonicus Ludolph Will). Majus 9. August 1706 an diePropaganda. Er machte aufmerksam auf die Gefahren, welche von innen

') Korrespondenz des Kölner Nuntius mit dem Bischof v. Spiga. Haunov. St.-A.Registratur des Bischofs.