Druckschrift 
Die Lebensbeschreibung der Bischöfe Bernward und Godehard von Hildesheim
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

160

Godehard's Leben.

Lähmung war der Arme darüber bekümmert, daß er nun für seinHandwerk nicht mehr brauchbar wäre. In allem aber, was er dieKnaben thun sah, und was sitzend oder kriechend geschehen konnte,suchte er bereitwillig sich zu üben und nützlich zu machen, und erließ keine Stunde mit Ausnahme der Essens- und Schlafenszeitverstreichen, in der man ihn nicht geschäftig sah. Unser geliebterBischof hatte nämlich die Gewohnheit, daß er kleine Knaben oderauch Arme von kräftiger»: Alter auf die Straßen oder in dieSteingruben schickte, damit sie ihm Steinchen von weißer, schwarzer,rother oder bunter Farbe brächte», die er dann reinigte und glättete, sdurch solche Bearbeitung und Reibung Edelsteinen ähnlich machte >und sehr nützlich au Altären, Büchern oder Kapseln anzubringen Iwußte. In dieser Arbeit übte sich jener Arme ganz besonders, »wußte es allen klebrigen zuvorzuthun und erwarb sich durch diesen >Eifer das Wohlgefallen des Bischofs. Zuweilen gesellte er sich Iauch den Malern und denen zu, welche die Fenster mit Glas ver- Isahen, und ging ihnen hülfreich zur Hand. Nach dem Tode des »frommen Bischofs begab er sich mit abgeschorenen Haaren in Dhärenem Kleide an sein Grab, enthielt sich des Fleisches und jeder nkräftiger» Nahrung. Er diente dort den Wächtern und den Gläu- «bigen so treu er konnte und wußte zuletzt mit Einwilligung der IIAufseher die Hut des Grabmales ganz an sich zu bringen, obgleich Ter nur mit Mühe sein schwaches Bein durch ein Holz aufrechthaltend, den übrigen Körper auf einen Stab gestützt, sein Amtversah. Aber die Kräfte, welche die Krankheit ihm versagte, ersetzte ^seine Dienstfertigkeit. Denn er kannte zwar die Psalmen nicht, - ^merkte sich aber doch die Worte, die ihm aus den Erzählungenund Ermahnungen der Gläubigen zu Ohren kamen und gebrauchtesie häufig, wenn er sich bei seinem frommen Wachdienst nach Sitte xder Gläubigen wie Onias zu Boden warf. Während er nun fest ^in diesem Eifer verharrte und für immer höhere Dinge nach Kräften !sich nützlich zu machen suchte, ward er an einem Samstag Abend, >als man im Chore die Vesper sang, neben dem Grabmale desBischofs auf den Boden hingestreckt, längere Zeit entweder im