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Godehard's Leben.
geschah sehr selten, weil man seinen Borsatz kannte und endlichNiemand mehr in ihn dringen mochte. So oft er aber von An-kommenden oder Verweilenden ermahnt wurde, er möge besser fürsich sorgen, gestand er, wegen der beständigen Gewohnheit zufasten, sei es ihm unmöglich, kräftigere Speisen oder Getränke zugenießen. Je länger er also eine solche Enthaltsamkeit übte, umso mehr wurde er dafür durch Gottes Gnade gekräftigt, die offen-bar ihn in Allem begleitete.
40. Wegen dieser Gewohnheit vermied er gern den könig-lichen Hof und die Versammlungen der Fürsten, weil er fürchtete,durch ihre Bitten und Befehle von seinen Vorsätzen abgeführt zuwerden. Wenn er aber Keuntniß erhielt, daß innerhalb seinerDiözese das Volk zu den Festen der Heiligen oder einer Kirch-weihe zusammenkomme, eilte er gerne und freudig dorthin, weiler hoffte, seinen höchsten Wunsch befriedigen und durch die Pre-digt des göttlichen Wortes Seelen gewinnen zu können.
Auch dies that er zum Lobe Christi, denn seine Rede undLehre waren nichts anderes als die Liebe Gottes und des Nächsten,die Bewahrung des Glaubens und des Christenthunies, die Beichteder Sünden und die Erinnerung an das Seelenheil. In unsermStifte hielt er häufig tiefsinnige Vorträge über die heiligenSchriften und ermahnte die Brüder mit sanften Worten, zuweilenauch nicht ohne Strenge, sie möchten jetzt durch gute Werke sichin Zukunft die ewige Anschauung des höchsten Lehrers ver-dienen. Nichtsdestoweniger sorgte er auch für unsere leiblichenBedürfnisse, vermehrte unsere tägliche Nahrung, wie es ihm ge-ziemte und wir es bedurften, und erhöhte mitleidig die Summe,welche der Herr Bernward für unsere Bekleidung ausgesetzthatte.
Auch die umliegenden Klöster der Nonnen besuchte er zu-weilen, und untersuchte sorgfältig, wie sie ihren Gelübden vorGott nachkämeu: Für alles Gute sagte er der göttlichen GnadeDank, fand er aber, wie es zuweilen geschieht, etwas Ungeziemen-des, so tadelte er es strenge und goß sorgsam Oel und Wein in