Godehard's Leben.
143
zurück. Die beiden andern behielt er auf sein demüthiges Bitten,und war für diese Wohlthat dem Herrn Godehard immer in Ehr-furcht und Liebe ergeben. Von denen, wellhe zurückgenommen waren,setzte unser Bischof die Aeltere, nämlich jene Jda, die Nichte derHerrin Sophia, nach dem Tode der Aebtissin Reinburg dem Klosterbei Gandersheim vor> und übte dort seitdem alle bischöflichenAmtsbefugnisse ohne Widerspruch irgend Jemandes.
37. Weil ich nunmehr jenen nur zu langwierigen Streit biszu Ende erzählt habe, bleibt nur noch übrig, von den Thatenunseres verehrungswürdigen Bischofs, die ich, um den Leser nichtzu verwirren, bis hierhin verschob, wenige aus vielen hervor-zuheben und dasjenige, was er schon von Gott erfüllt und derWelt fremd vollbracht hat, zum Lobe des höchsten Gottes und zurKenntnißnahme und Beherzigung unserer gebrechlichen Sterblich-keit zu beschreiben. Im ersten Jahre seiner Weihe ließ er ander Südseite des Domes eine alte Kirche 2 , die unter seinen Vor-gängern errichtet, aber durch Alter und Vernachlässigung fast zer-fallen war, gänzlich abtragen und begann dort, wie man noch heutesehen kann, ein herrliches Münster, das er im vierten Jahre nach-her vollendete und zu Ehren des Leidens, der Auferstehung undder Himmelfahrt des Herrn am sechszehnten August weihete. Erordnete dort den Gottesdienst und feierliche Umzüge an Sonn-und Festtagen der Zeit und den Bedürfnissen gemäß und dieErtheilung der heiligen Sakramente, versah auch die Kirche mitMeßbüchern und andern Büchern, Glocken und den übrigen Geräth-schaften für den Gottesoienst. Zudem errichtete er dort eine Schule,für die er während seines ganzen Lebens durch geistliche und leib-
1) Hierunter ist daS von Gandersheim abhängige, der h. Maria geweihte Klosterzu verstehen, welches schon von Thangmar <r. XII. erwähnt, von der Aebtissin Ger-burgis neu erbaut und am 7. Juni (nach Böhmer 9. Juli) 973 von Otto II. be-stätigt wurde. Vgl. Lüntzel, Geschichte von Hildesheim S. 68. Jda war späterAebtissin des Manenklosters in Köln. Vgl. die Geschichte der Gründung Brauweilerse.6. a. a. O-— 2 ) Die Kirche des h. Epiphanius, die der Bischof Otwin hatte errichtenlassen, nachdem er die Reliquien des Heiligen aus Pavia nach HildeSheim gebrachthatte. Godehard weihte die Kirche 1026, vergl. das jüngere Leben o. 18. und dieHildesheimer Annalen, von denen aber die Kirche im Widerspruch mit der Bemerkungzum Jahre 1023 an die Westseite des DomeS verlegt wird.