Beruward's Leben.
11
scheu Gefäßen'), die der königlichen Majestät als besondere Gabedargebracht wurden, dgs, was er selten und ausgezeichnet fand,zu nutzen wußte. Er führte auch talentvolle, vorzüglich begabteKnaben mit sich an den Hof oder auf längere Reisen und triebsie an, sich in allein dem zu üben, was in irgend einer Kunst alsdas Würdigste sich darbot 2. Außerdem beschäftigte er sich mitmusivischen Arbeiten zum Schmuck der Fußböden und verfertigteauch Dachziegel uach eigner Erfindung ohne irgend eine Anwei-sung. Um alles kurz zusammenzufassen ^ er ließ keinen Augenblickungenutzt verstreichen, und als treuer Verwalter der Gemeinde desHerrn war er allen seinen Mitknechten mit dem nöthigen Beistandtreulich zu Diensten. Während er aber in 'Christi SchatzkammerAlles, was er für angemessen hielt, mit gewissenhafter Frömmigkeitzusammenbrachte, gab er nichtsdestoweniger gemäß den Wortendes Evangeliums auch dem Kaiser das Seine, denn dem KaiserOtto III. war er mit bereitwilligstem Herzen nach Wissen und. Können zu Willen. Deshalb erregte er gegen sich den Neid Vieler,die erzürnt waren, daß er mit zu wachsamem Eifer den Geschäftendes Staates sich unterziehe.
7. Es wurde nämlich ein großer Theil Sachsens durch dieWildheit der Seeräuber und übrigen Barbaren verwüstet, undwar den fortgesetzten Einfällen dieser Räuber ohne Unterlaß preis-gegeben^. Diese Landplage abzuwehren, war er mit eigner undder Seinen großer Gefahr immerwährend bestrebt, und indem ernun in Verbindung mir Andern, zuweilen auch allein mit den
1) Wahrscheinlich irische, vergl. Schnaase Kunstgeschichte. IV. 2, 462. lieber Bern-ward's Kunstbestrebungen vergl. Schnaase a. a O. Bd. IV. 2. S. 70 u. 504., und Kratz,der Dom zu Hildesheim. Th. 2. Von den ans sein Geheiß geschriebenen Büchern sindnoch vorhanden: 3 Evangclienbücher, darunter eins vom Jahre ION, vom DiakonGunibald geschrieben, I Missale und 1 Bibel, auch zeigt man ein Buch über Mathe-matik, das Bernward der Sage nach beim Unterrichte Otto III. gebrauchte. Vergl.Kratz a. a. O. S. 104—124. Ein Werk über Alchymie ging im dreißigjährigen Kriegeverloren. — 2 ) Ein Leuchter trägt folgende Inschrift: „Bischof Bernward ließ diesenLeuchter durch seinen Lehrling im ersten Aufblühen dieser Kunst nicht aus Gold, nichtaus Silber, aber doch wie du siehst (die Masse ist Gold, Silber und Eisen) schmelzen.Vergl. Kratz. S. 32. — Z'j Die Annalen von Hildesheim erwähnen insbesondere znmJahre 094 einen Einfall der Seeräuber, zum Jahre 995 einen Naubzug der Slawen.Vergl. Thietmar IV, 15. 16 .