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Eine kleine Stunde nördlich von Neuwied — vom Rhein ab, Hegt dasDorf Niederbiber, an dem Abhänge einer grofsen erhabenen Flache, diean zwei Seiten durch Thäler, in denen die Wied und Aubach fliefsen, abgeson-dert wird, an der Dritten aber mit einem höhern Berge zusammenhängt. Dieseganze Ebene ist jetzt Kornfeld. Hart unter der Oberfläche derselben findetsich vieles Mauerwerk, an dem die Bauern schon seit Jahrhunderten gebrochenund Steine zum Bauen verbraucht haben.
Von der Stelle wo dieses Mauerwerk gefunden wird — sie heifst imMunde des Volks »die alte Burg," — hat man eine weite, die ganze Ge-gend, das, rechte und linke Rheinufer, beherrschende Aufsicht; um solchemit einem Blick auffafsen und zugleich auch das Reitzende der Lage übersehenzu können, ist eine von hoher, kunstgeübter Hand entworfene Aufnahme, alsTitel dem Werke beigefügt worden.
Das Dorf Niederbiber welches im Jahr 1021 schon ein kaiserlichesKammergut war, zeichnet sich also durch ein sehr hohes Alter aus; die daselbstaugenscheinlich aus römischen Baumaterialien erbaute Kirche gehört zu denältesten Gebäuden der Gegend; nach ihrer Bauart, und aus dem Umstände,dafs die Kapelle 1148 dem Wiedischen Hause zu Theil ward, kann man siein das iite Jahrhundert setzen; in Urkunden aus dieser Zeit und von 1278kommt die ecclesia inferioris Bivernae vor, (auch Beveren, Bivern wird dasDorf genannt) welcher Name wohl mit Grund von Hiberna (Winterlager)abzuleiten ist, und woraus denn endlich Biber entstanden sein mag. Der PredigerReck*) will zwar Biveren von der nafsen Lage, wie Biberich, Biberach u. s. w.ableiten, allein dieses scheint mir hier nicht pafsend, weil der Ort hoch und trockenliegt, daher treffender von Hiberna. Es liegt also schon in dem Namen desnoch bestehenden Dorfs der römische Ursprung. Auf diese vorerwähnte Ebene
*) In der sehr empfehlungswürdigen Geschichte der gräflichen und fürstlichen Häuser Isen-burg, Runkel und Wied. Von J, St. Reck. Weimar 1825- 4.