Sachsen.
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Die 216 Lehrer der Realgymnasien, von denen einschließlich der Rektoren 29 Professorenund 155 Oberlehrer sind, genießen insofern die Wohlthat des Normal-Etats, als derDurchschnitt von 3150 M. nicht nur bei den staatlichen, sondern auch bei den städtischenAnstalten besteht — mit alleiniger Ausnahme derer zu Freiberg und Borna, die niedrigereStaffeln haben. Die seit Ostern 1884 an den Staatsanstalten eingetretene Errichtungeiner ersten Oberlehrerstelle mit 4800 M. ist bisher nur von den Städten Dresden,Leipzig und Zwickau nachgeahmt worden; Chemnitz ist damit noch im Rückstand.
Mit geringen Ausnahmen sind die Lehrer der Realgymnasien akademisch gebildet.Für die technischen Hilfslehrer besteht noch keine bestimmte Gehaltsstaffel. Ein von derRegierung eingebrachter Antrag (Alterszulagen bis 3000 M.) hat bisher die Zustim-mung des Landtags nicht gefunden.
Von den 2844 derzeitigen Schülern der 11 sächsischen Realgymnasien gelangtvoraussichtlich nur ein kleiner Teil zum Abschluß des ganzen Schulkursus; Ostern 1884lieferten die R.-G. zusammen 129 Abiturienten — 4,5 No der Gesamt-Schülerzahl.Nach einer statistischen Zusammenstellung des Oberlehrers Schnorr in Zwickau*) sindvon 1867 bis 1877 von den 10 damaligen Realschulen I. O. (Borna war noch nichtausgebaut) zusammen 869 Abiturienten abgegangen, von denen 35 No den polytechnischenStudien, 24,5 o/o dem Postdienst, 15,2 o/o den Universitätsstudien sich zuwandten, sodaß nur 20,3 o/o für andere Berufszweige (incl. Armee und Kaufmannschaft) übrig blieben.Von den 129 Abiturienten des Jahrgangs 1883—84 dürften höchstens 20, also dersechste Teil, der Universität sich zugewandt haben. Die Gesamtschülerzahl hat 1874 bis1877 mit ca. 3500 Schülern die höchste Höhe erreicht; seitdem ist sie beträchtlich gesunken,erst seit 1882 wieder langsam gestiegen.
Das Schulgeld ist seit 1877 auf 120 M. jährlich festgesetzt; 15 No des Brutto-Ertrags dürfen an den königl. Anstalten zu Schulgeld-Erlaffen verwendet werden. Dieälteren unter den städtischen Anstalten verfügen zu diesem Behufe über die Erträge an-sehnlicher Stiftungen. Die meisten der sächsischen R.-G. haben zwischen 1870 und1884 neue stattliche Schulgebäude bezogen, nur Plauen und Dresden-Neustadt sind indieser Hinsicht noch zurück. Bibliothek und Sammlungen sind überall vorhanden undmeist gut ausgestattet.
/?) Die Realschulen II. Ordnung. — Von den 1870 bestehenden 10 Real-schulen Sachsens widerstanden nur zwei, die zu Reichend ach und Glauchau, derVersuchung, den Lehrplan der siebenklassigen Realschule I. O. anzunehmen. Aber schonwar in Crimmitschau seit 1868 eine Realschule in der Bildung, die sich als drittein die neue Ordnung einreihte. Gleichartige Anstalten entstanden 1870 in Mitt-weida und Schneeberg, 1871 trat hinzu die Realschule in Bautzen, 1872 dieRealschule II. O. in Leipzig, die aus der Selekta der Bürgerschule hervorging undzunächst „höhere Bürgerschule" hieß, und 1873 wurde das seit 1773 in Dresden-Friedrichstadt bestehende Knaben-Jnstitut der Freimaurerloge „zu den drei Schwertern"in eine Realschule II. O. mit Progymnasium verwandelt. Ein ungeahnter Aufschwungerfolgte, nachdem die Regierung von dem 1873 bis 1874 versammelten Landtag dieErmächtigung erhalten hatte, jeder voll entwickelten Realschule einen Staatszuschuß von9000—12 000 M. zu gewähren. Die meisten Mittelstädte benutzten diese Gelegenheit,um mit geringen Kosten die oberen Klassen ihrer Bürgerschulen einschließlich Selekta zu einerMittelschule zu gestalten, welche ihren Abiturienten die vielbegehrte Freiwilligen - Berech-tigung gewährte. Nachdem schon 1873 Pirna und Stollberg Realschulen eröffnethatten, folgten 1874 Leisnig, Rochlitz, Werdau, 1875 Großenhain,Löbau, Meerane, Meißen, 1876 Frankenberg, Grimma, Reudnitz.Nunmehr kam die Bewegung zum Stehen, denn schon war ein Rückschlag eingetreten,hervorgerufen vornehmlich durch die Notlage der Industrie. Seitdem hat sich die Zahl
*) Schnorr, Die sächsischen Realschul-Abiturienten. Frankenberg 1882.