Druckschrift 
7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
Entstehung
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Dorrede.

Dm verehrten Freunden unserer Encyklopädie ist schon bekannt, daß die Be-gründer und bisherigen Herausgeber derselben, die Herren Prälat Or. Schmidund Professor Wildermuth, sich nach mehr als dreißigjährigen Mühen zum Rück-tritt von ihrer schwerlastenden Arbeit entschlossen haben; der letztere ist inzwischen,allen Freunden des deutschen Schulwesens zum herzlichen Leide, heim gegangen. AufAnfrage des Herrn Verlegers habe ich mich bereit erklärt, das große Werk weiter-zuführen: ich bleibe hiermit der früher gepflegten Wissenschaft treu und ich zollezugleich nach meinem Vermögen den Männern meinen Dank, welche diese un-gemeine Aufgabe während eines Menschenalters zur Genugthuung aller Kundigen,zum Heile unserer Jugend, zum Wohle des Vaterlands gehegt und geförderthaben. So schwere Verantwortlichkeit ich hiermit ans mich lade, so finde ichmeinen Weg doch durch die Gemeinsamkeit der Grundsätze geebnet, welche michschon bisher mit der Encyklopädie und ihren hochverdienten Herausgebern ver-bunden hat. Und ich darf annehmen, daß sie, wie ich, jedem plötzlichen Bruchmit den gewohnten Mitteln und Zielen unseres Unterrichts abhold, wie vordemso auch ferner die stetige Besserung und Ergänzung unserer Kunst verfolgt, aberjede Neuerung ausgeschlossen zu sehen wünschen, welche aus leichtfertigem An-schmiegen an die unbedachten Forderungen des Tages oder gar aus Mißachtungder ewigen Bildungszwecke so lärmend und mißtönig erhoben werden.

Demgemäß habe ich eine durchgreifende Umgestaltung oder gar einen völligenErsatz früherer Beiträge nur in den wenigen Fällen für zulässig gehalten, wo dieBewegung des deutschen Geistes eine Änderung des Inhalts oder wo der Plandieses Werks eine bündigere Fassung schlechthin erheischten. Denn allerdings lehrtdie Geschichte unserer Bildung auch in den letzten Jahrzehnten, daß die Aus-gestaltung unseres Volkstums und ebenso die Entwickelung der Wissenschaften sichin den Mitteln und Bahnen der Erziehung fortsehen wollen, ohne doch deren ur-sprüngliche Formen und letzte Zwecke auszugeben. Eben bei dein Reichtum dieserEntwickelung sind verschiedene, wenngleich nicht einander widersprechende Auffas-sungen und Lösungen der einzelnen Unterrichtsaufgaben statthaft; überdies liegt esnicht in der Befugnis eines Herausgebers, allen Aufsätzen seine Ansicht auf-drücken zu wollen, da die unserer Kunst überall notwendige Freiheit eine derartigeEinförmigkeit entschieden abweist.

Die neugewonnenen Beiträge werden den Freunden der Encyklopädie sicherwillkommen sein, an der sorgsamen Prüfung der übrigen soll es nirgends fehlen,die baldige Vollendung des Werks wird mein besonderes Bemühen sein. Sowolle denn Gott feinen Beistand diesem Unternehmen auch ferner schenken!

Halle a. d. S. am Weihnachtsabend 1885.

AI. Schräder.