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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Sachsen.

bestimmt sind und nicht sowohl eine nachfolgende Gelehrtenbildung, als vielmehr praktischeZwecke im Auge habe, ihre Aufgabe daher nicht, wie jene, durch altklassische Studien,sondern in erster Linie durch Unterricht in den neueren Sprachen, sowie in Mathematikund Naturwissenschaften zu erreichen suchen." Die Klassenzahl wird ans sechs festgesetzt,unter die Lehrgegenstände wird Lateinisch ausgenommen, jedoch nur mit geringer Stunden-zahl (22) und mit der Maßgabe, daß nur diejenigen Schüler, welche die Reifeprüfungbestehen wollen, zum Betreiben des Lateinischen verpflichtet sein sollten. Im Französischen,Englischen, in Mathematik, Physik und Chemie gehen die Ziele bereits über die der sog.höheren Bürgerschule hinaus. Durch das Erstehen der Reifeprüfung wird die Zulassungzum Polytechnikum und der Gewerbeschule, sowie zur Forst- und zur Berg-Akademieerlangt, ferner der Zutritt zum Post- und Steuerfach, zum Telegraphendienst u. s. w.

Die Hoffnung des Ministeriums, durch dieses Regulativ die RealschulverhältnifseSachsens auf längere Zeit geordnet zu haben, wurde durch die Ereignisse des Jahres1866 zerstört, welche u. a. die Einführung des Einjährig-Freiwilligendienstes *) undden Übergang der Post an den Norddeutschen Bund**) zur Folge hatten und damitwesentlich andere Verhältnisse auch für die Realschulen schufen. Andeutungen, daß eineneue Organisation unvermeidlich sei, enthält schon das im Auftrag des Ministeriumsfür die Pariser Weltausstellung 1867 gearbeitete „Exposs über den Stand des öffent-lichen Schulwesens im Königreich Sachsen". Es konnte die Notwendigkeit nicht längerverborgen bleiben, daß eine Scheidung der Realschulen in zwei Arten von Anstaltenherbeigeführt werden müsse, von denen die eine sich mit der Erreichung der Befähigungfür den Einjährigfreiwilligendienst begnügen, die andere darüber hinaus die Vorbildungfür die technischen Hochschulen und Akademieen vermitteln sollte. Schon im Landtagvon 1868, als es sich um Gründung resp. Unterstützung neuer Realschulen handelte, gabdas Ministerium die Absicht einer solchen Scheidung nach preußischem Muster zu erkennenund in den am 2. Dezember 1 8 70 veröffentlichten Nachträgen zum Regu-lativ von 1860 wurde dieselbe durchgeführt. Seitdem wurden Realschulen I. undII. Ordnung unterschieden.

«) Die Realschulen I. O. — Die Neuerungen, welche der Organisationsplander höheren Ordnung der sächsischen Realschule seit Ostern 1871 aufwies, war die Aus-dehnung des Kursus auf sieben Jahre durch Zerlegung der Prima in zwei Jahreskurseund die obligatorische Einführung des Lateinischen mit 25 Stunden. Eine wesentlicheErhöhung der Ziele trat auch in Physik und Mathematik hervor. Die älteren Realschulenin Leipzig, Annaberg, Dresden Alt- und Neustadt, Plauen, Zittau, Chemnitz, Zwickaugestalteten sich dem neuen Plane entsprechend um, außerdem wurden neue RealschulenI. Ordnung durch das Ministerium in Döbeln (bereits 1869 eröffnet) und durch diestädtischen Behörden in Freiberg (1872), Borna und Wurzen (1873) errichtet.

Das Ministerium, in welches 1874 der Geh. Schulrat vr. Schlö milch***) alsReferent für das gesamte Realschulwesen berufen wurde, zeigte den Realschulen I. O.fortgesetztes Wohlwollen. Besonders trat dieses in der 1874 erlassenen Verfügung,welche eine Ausdehnung des Kursus auf acht Jahre (durch Trennung der Sekunda)anordnete und in noch höherem Grade durch die gleichzeitige Zulassung der Abiturientenzu Universitätsstudien in Mathematik, Naturwissenschaften und neueren Sprachen hervor.Aber man glaubte doch auch dem Aufstreben der jungen Anstalten gegenüber eine vor-sichtige Zurückhaltung wahren und jede gefährliche Konkurrenz für das humanistische

*) Das Zeugnis für den Einjährig-Freiwilligendienst wurde seit 1867 durch halbjährigesSitzen in Prima erworben; in dieser Hinsicht war also die Prima der Realschulen mit derObersekunda der Gymnasien gleichgestellt.

**) Die Zulassung zum Postelevendienst wurde für die Abiturienten der sächs. Realschuleerst 1869 erworben.

***) Bis dahin Professor am Kgl. Polytechnikum zu Dresden, Verfasser zahlreicher gedie-gener wissenschaftlicher Werke und Lehrbücher, in den Ruhestand getreten Ende Mai 1885.