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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
Entstehung
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Sachsen.

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mag man in Sachsen hierin zu weit gegangen sein. Aber für die gedeihliche Weiter-entwickelung der höheren Schulen ist es gewiß überwiegend heilsam gewesen, daß dieoberste Schulbehörde nie die Neigung gezeigt hat, nivellieren und uniformieren zu wollen,sondern im Gegenteil ihren Untergebenen gern einen Spielraum zu freier Bewegung ge-gönnt hat. Infolgedessen ist denn auch bis zur Stunde das Verhältnis des sächsischenGymnasiallehrers zu seinen obersten Vorgesetzten bis zu einem gewissen Grade einpatriarchalisches geblieben und haben die Leiter der Schulen bis jetzt minder als anderwärtsunter der Bürde von Bureauarbeiten zu leiden gehabt*). Gewiß war es dankenswert,daß die oberste Leitung des Unterrichtswesens seit 1871 auf größere Exaktheit in dienst-lichen Dingen und genauere Beachtung gewisser Normen gehalten hat, aber nicht minder,daß das nun einmal dem Volkscharakter entsprechende »lonitor in modo« auch unterihr in Geltung und Ausübung geblieben ist. So haben auch die Gymnasiallehrer-versammlungen, welche seit länger als einem Jahrzehnt jährlich in einer der Gymnasial-städte abgehalten werden, einen überwiegend harmlos-geselligen Charakter und hat dieoberste Schulbehörde gern ihnen diesen Charakter belassen. Nicht unerwähnt darf bleiben,daß zur Belebung derselben ein Mann vorzüglich beigetragen hat, der jüngst verstorbene,geistvolle Professor Eckstein, um so weniger, da er ja auch als Schriftsteller wie als lang-jähriger Leiter der pädagogischen Abteilung des philologischen Seminars um die Aus-bildung der zukünftigen sächs. Gymnasiallehrer für ihren Lehrberuf sich wie kaum einanderer verdient gemacht hat.

Nach Seite der Disciplin war im allgemeinen erfreulicherweise kein Anlaß vor-handen, besondere Strenge walten zu lassen. Alle Kenner der Verhältnisse stimmendarin überein, daß in unserer verschrieenen neuen Zeit sich die Schüler durchschnittlichlenksamer, anständiger und maßvoller zeigen als vor 1866. Auch die neuerdings ge-legentlich entdecktenSchülerverbindungen" haben sich zumeist als harmloser herausgestelltals ihre Vorgängerinnen in früherer Zeit. Ist nach dieser Seite eine Besserung gegenfrüher eingetreten, so ist das, abgesehen von den sittlichen Anregungen, welche die ernsteZeit von 18661871 mit sich gebracht hat, nicht zum wenigsten dem Umstande zuzu-schreiben, daß das Geschlecht von Gymnasiallehrern nahezu im Aussterben begriffen ist,welches die Fähigkeit oder den Mut nicht besaß, die Heranwachsende Jugend kräftig imZaume zu halten.

Was Unterricht und Methodik betrifft, so haben auch die sächsischen Schulen davonVorteil gehabt, daß von 18721882 (den Reigen eröffneten im erstgenannten Jahredie in Berlin erschienenenBriefe über nationale Erziehung") dieGymnasialfrage" inweitesten Kreisen als eine brennende angesehen und von den verschiedensten Standpunktenaus erörtert worden ist **). Vorteil sage ich, denn jede, auch die ungerechte und maßlose

*) Das Gesetz von 1876 räumt den Rektoren ausgedehntere Befugnisse dem einzelnenLehrer wie der Lehrerkonferenz gegenüber ein, als dieselben bis dahin gehabt hatten. Trotzdemfindet die Generalver. an die Rektoren v. 10. März 1882 den ausdrücklichen Hinweis darauf fürnötig, daß sie sich nicht als priwi intor paroo (ein Ausdruck Köchlys) anzusehen hätten. EinBeweis dafür, daß das Herkommen nach wie vor einer entschiedenen, rücksichtslosen Geltend-machung der rektoralen Befugnisse entgegen ist. Es haben sich nicht nur Sachsens Gymnasial-kollegien bei dieser nicht-bureaukratischen Praxis wohl gefühlt, sondern es ist auch den Schulensicher mancher Gewinn aus ihr erwachsen, wenn man weniger deren äußeres wie inneres Lebenin Betracht zieht. Insbesondere hat sich als heilsam bewährt, daß die Rektoren in ziemlichem Um-fange die Klassenlehrer als Mittelspersonen zwischen dem Schuloberhaupt und den Schü-lern respektiert und dementsprechend mit gewissen Machtbefugnissen und Ehrenrechten aus-gestattet haben.

**) Eine bequeme Übersicht bis 1877 bietet der Vortrag von F. Olck, Die neuesten An-sichten über die Ziele des höheren Unterrichts, Königsberg 1878. Von inländischen Aus-lassungen über die Gymnasialfrage und Verwandtes hebe ich hervor: M. Wohlrab, Gym-nasium und Gegenwart, 1875; L. Lange, Über das Verhältnis des Studiums der klassischenPhilologie zum Berufe der Gymnasiallehrer, Leipzig, Universitätsprogr. 1879, R. Hofmann,Die praktische Vorbildung zum höheren Schulamt aus der Universität, ebendas. 1881; Eilh.