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Sachsen.
leguugen Gefallen gefunden, welche von dem kaum verhaltenen Wunsche eingegeben waren,die Gelehrtenschulen auf den Standpunkt von 1810 -1820 zurückzuftihren. Die Mehr-zahl der Einsichtigen verlangte laut eine Reform in gegenteiliger Richtung. Eine Sturm-und Drangperiode der Pädagogik begann, welche (wie später die der siebziger Jahre)die „Gymnasialfrage" recht eigentlich zu ihrem Tummel- und Kampfplatz machte*). Undwas speciell sächsische Schulzustände anbelangt, so konnte das überwiegend abfälligeUrteil, welches auf Grund eingehender Prüfung der Däne Ingerslev in seinem 1841erschienenen Buche „Bemerkungen über den Zustand der gelehrten Schulen in Deutschland" rc.über verschiedene sächsische Gymnasien, vornehmlich über den Betrieb des geschichtlichenund geographischen Unterrichts an denselben gefällt hatte, um so weniger unbeachtetbleiben, je begründeter die Ausstellungen erscheinen mußten. Das Verdienst, die Über-zeugung von der Notwendigkeit einer zeitgemäßen Umgestaltung der Lehrpläne undMethoden zuerst mit rückhaltloser Offenheit ausgesprochen und in einem weiten Kreisevon Fachgenossen zur Geltung gebracht zu haben, gebührt dem damaligen Oberlehrer ander Kreuzschule Herrn. Koch ly**). Er war nicht nur der Begründer, sondern an-dauernd die Seele des im Oktober 1846 von ihm ins Leben gerufenen DresdnerGymnasialvereins, welcher durch die geistvollen Reformgedanken, die er wie Leucht-kugeln ins Land hinauswarf, binnen weniger Monate eine gewaltige itio in partes undnicht geringe Aufregung Hervorrufen sollte***). Es fehlte nicht an Protesten undGegenschriften ff), aber diese Kundgebungen machten gegenüber den durch die Tages-preise in weite Kreise gedrungenen scharfsinnig-schlagfertigen Ausführungen Köchlys wenigEindruck. Sie wurden rasch vergessen, während des letzteren „Vermischte Blätter zurGymnasialreform, 1847" einen großen durchschlagenden Erfolg errangen PP), wie solchesbereits dem didaktischen Erstlingswerke desselben „Über das Princip des Gymnasial-unterrichtes, 1845" gelungen war. Das Realgymnasium ist nach Köchly, abgesehen vonseinen direkt-praktischen Zwecken, die Vorbereitungsanstalt für das selbständige Studiumder Naturwissenschaften, das Gymnasium im Gegensätze zu jenem die Vor-bereitungsanstalt für den zukünftigen wissenschaftlichen Betrieb der historischenWissenschaften. Aus diesem Princip heraus entwickelte K. seine Rcformpläne fürdas letztere. Mathematik, Naturwissenschaften und moderne Sprachen sind für dasselbeunerläßlich, sofern es eine „allgemeine Vorbildung" bieten soll, aber ebenso nebensächlich,wie das Latein für die Realgymnasien. Die Behandlung der eigentlichen Unterrichts-gegenstände des Gymnasiums hat eine überwiegend historische zu sein. So ist diedeutsche Litteratur und Sprachentwicklung bis zum Nibelungenliede zurück zu verfolgen,hat der Geschichtsunterricht sich wesentlich an Quellenschriftsteller und historische Muster-stücke anzulehnen, sind in den Religionsstunden auf der obersten Stufe vornehmlich diegeschichtlichen Schriften des Neuen Testaments in der Ursprache zu lesen, muß daraufBedacht genommen werden durch methodisches Aufsteigen vom Einfachen zum Zusammen-gesetzteren, daß die zu lernende fremde Sprache „in dem Schüler als ein organischesGanze nach und nach erwachse." Hauptaufgabe des altklassischen Unterrichts ist: „Er-
*) Ich erinnere nur an des geistvollen Mager klassisches Buch „Die deutsche Bürger-schule" von 1840, an dessen „Pädagogische Revue" von 1840—48, sowie an Onno KloppS„Reform der Gymnasien" von 1840.
**) Geb. i 815 in Leipzig, ein Zögling der Fürstenschule Grimma, dann begeisterter SchülerGottfr. Hermanns, 1837—49 Realschul- und Gymnasiallehrer, 18S0—76 Professor in Zürichund Heidelberg.
***) In höchst geschickter Weise hatte Köchly an gewisse Landtagsanträge von 1846 (Sitz,der 1. Kammer No. 89 und 101 , der II. Kammer No. 101 und 120) wie an die BegerschePetition, die Errichtung eines Realgymnasiums betreffend, anzuknüpsen, nicht minder einenweiten Kreis einflußreicher Liberalen für seine Sache zu interessieren verstanden.
P) U. a. von den Leipziger Rektoren Nobbe und Stallbaum. Beide Schriften hatKöchly in seinen „Vermischten Blättern" mit Lesstngscher Schärfe widerlegt. Bald erstand ihmauch in M. Raschig (Direktor in Zwickau) ein nicht zu verachtender Helfer im Streit.
Pf) Ein zweiter Teil (Heft II und III) folgte 1848 nach (s. u.).