Sachsen.
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) unabweisbar die andere, daß der im philologischen Unterricht vielfach eingerissene geist-
s Wende Schlendrian einer frischeren, eine lebendigere Auffassung des klassischen Altertums
r und seiner Meisterwerke erstrebenden Behandlung Platz mache. Als unstatthaft mußte
I es erscheinen im Angesicht der großen und vielseitigen Aufgaben, welche die angebrochene
t! neue Zeit dem Gymnasiasten für seine spätere Lebenszeit in Aussicht stellte, dessen Sinnen
E und Denken in dem Maße, wie es bis dahin der Fall gewesen war, auf den Orbis
! Lntiguus und dessen Interessen zu beschränken, vor allem aber dem Lateinschreiben und
Lateinreden fernerhin eine Bedeutung beizumessen, welche nicht einmal den thatsächlichenVerhältnissen innerhalb der Gelehrtenrepublik mehr entsprach.
Einer der geistvollsten Schulmänner jener Zeit, der schon erwähnte Detlev Baum-garten-Crusius, arbeitete 1834 einen Lektionsplan für seine Schule (Meißen) aus,welcher für jene Zeit hochbeachtlich war und im wesentlichen dem entsprach, welcher 1847zur Geltung kam*). Aber die 1835 in Dresden abgehaltene Rektorenkonferenz konntesich mit einem so weit von dem Herkömmlichen abgehenden Lehrplane nicht einverstandenerklären. Der Reorganisationsplan vom 7. Dezember 1833 war in der letzten Stundevon der Regierung selbst zurückgezogen worden; so blieb denn in der Hauptsache bis1847 die alte Ernestische Schulordnung von 1773 in Kraft, wenn auch natürlich mit- manigfachen im Verlaufe der Zeit erfolgten Abänderungen und Ergänzungen**). Nurder Unterricht auf den Fürstenschulen richtete sich seit 1834 im großen und ganzennach dem von dem erwähnten afranischen Rektor aufgestellten Plane,l Was die städtischen Gymnasien anbelangt, so hatten Regierung und Kommunen
! fürs nächste ihre Aufmerksamkeit auf das Äußerliche***) zu richten. Die Lehrergehalte! waren fast durchgängig äußerst gering und bestanden dazu zum Teil in unregelmäßigen
! Eingängen, von welchen mancher noch außerdem für den Empfänger etwas Degradierendes
i hatte. Die Schulhäuser entsprachen an manchen Orten, ganz abgesehen von ihren sanität-^ lichen und ästhetischen Mängeln, nicht einmal notdürftig der Zahl der unterzubringendenSchüler. Kaum die notwendigsten Lehrmittel waren vorhanden; Archive und Schul-bibliotheken meist in einem Zustande arger Verwahrlosung. Es kann nicht rühmendgenug hervorgehoben werden, was von der Negierung in dieser Zeit geschehen ist, umnach den bezeichneten Seiten hin — Hand in Hand mit den betreffenden Patronatsbehörden,mitunter auch trotz deren Widerstreben — Wandel zu schaffen. Große Geduld war dabeierforderlich, zumal da die Gemeinden wie die Stände mit ihren Bewilligungen kargten.So wurde z. B. aus Sparsamkeitsrücksichten 1837 in Plauen die VI eingezogen, umerst 1844 wiederhergestellt zu werden.
! Mit dem Beginne der vierziger Jahre kamen auch die Interna der Gymnasien,
Lehrplan und Unterrichtsbetrieb, an die Reihe. Noch einmal hatte 1838 die alte,wesentlich nur formale Geistesbildung anstrebende Lateinschule eine Verherrlichung gefundenin Friedr. Thierschs warm geschriebenem, aber einseitigem Buche „Über den Zustanddes öffentlichen Unterrichts in den westlichen Staaten Deutschlands" rc. Aber nur einkleines Häuflein zunftmäßiger Philologen und lateinredender alter Herren hatte an Dar-
f *) Aber das Deutsche erscheint von IV—I nur mit je einer Stunde. Mehr meinte man
h damals nicht beanspruchen zu dürfen.
^ **) Die Geschichte der einzelnen Schulen führen ja manigfache neue Lehrpläne aus der
Zeit von 1773—1847 auf (so Meißen die von 1812 und 1834; Plauen solche von 1803, 1819,l 1828, 1839, 1844), aber alle sind doch nur mehr oder weniger unerhebliche Abwandlungen der» »Erneuerten Schulordnung" von 1773.
> ***) So erhielt >836 Freiberg gedruckte Schulgesetze, wurden 1841 die Befugnisse der
! ^hrer gegenüber den Gymnasialkommissionen festgestellt, übernahm 1843 der Staat die Gym-
h ursien zu Freiberg, Zwickau und Plauen in seine Verwaltung. Was die Fürstenschulen betrifft, so
1 waren die wichtigsten externa bereits 1832—34 geregelt worden. Dazu erfolgte 1846 ein nicht
! unerheblicher Umbau in Meißen. Vgl. Baumgarten-Crusius' Leben, beschrieben von seinem
l Sohne, Oschatz 1853, und Joh. Gottl. Kreyßigs Biographie, verfaßt von Friedrich und A- H.
t Kreyßig, Meißen 1854.