Sachsen.
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halte. Zuvor aber wird es sich geziemen, mit aufrichtigem Dankgefühl zu rühmen, daß,wie in früheren Zeiten, so auch in dem halben Jahrhundert von 1831 bis zum heutigenTage Sachsens Herrscher es nicht nur als eine ihrer ersten Regierungspflichten ange-sehen haben, für die Hebung der Volksbildung Sorge zu tragen, sondern diese Seite derEntwickelung ihres Landes auch mit regem persöulichen Interesse und aufmunternderTeilnahme verfolgt haben. Das gilt nicht nur von dem Gelehrten unter DeutschlandsFürsten, dem geistvollen Ausleger und Übersetzer Dantes, König Johann (1854—1873), sondern auch von dessen königlichem Bruder und Vorgänger auf dem Throne KönigFriedrich Augusts (1836—54), wie gleicherweise von König Johann's Sohne,dem erlauchten derzeitigen Herrscher des Sachsenlandes König Albert. Für des LandesBildungsanstalten von der Kleinkinderbewahranstalt und Dorfschule bis hinauf zur Hoch-schule ist es ein nicht hoch genug zu veranschlagender Segen gewesen, daß das Herrscher-haus andauernd solchen Sinn gehegt und bekundet hat. Als ein besonderes Glück habendiese aber auch das zu preisen, daß unmittelbar (bezw. mit kurzer Unterbrechung) nach-einander drei Männer an der Spitze des Kultusministeriums und damit des gesamtenUnterrichtswesens, soweit es allgemeinen Zwecken dient, gestanden haben, welche mittiefer Einsicht in des Landes Bedürfnisse wie eindringeudem Verständniß für die Aufgabeder Zeit aufopfernde Berufstreue und Wohlwollen gegen ihre Untergebenen verbanden,vr. Eduard von Wietersheim (Kultusminister von 1840—48), vr. JohannPaul Freiherr von Falkenstein (1852—71) und seit 1871 vr. KarlFriedrich von Gerber*). Alle drei Männer der Wissenschaft, — zwei von ihnendurch hervorragende schriftstellerische Leistungen auch außerhalb der Grenzen des Landesrühmlich bekannt, — haben die Genannten von 1840—1885 das Unterrichtswesen desLandes von höheren Gesichtspunkten aus und mit vollerer Einsetzung ihrer Persönlich-keiten geleitet, als dies bloßen Verwaltuugsbeamten je möglich gewesen sein würde. In-folge dieses Umstandes hat daher auch bei aller Stetigkeit gewisser fortgehender Traditionenund Bestrebungen doch auch jede dieser drei Verwaltungsperioden ihr bestimmtes Ge-präge, zumal da ja die Jahre 1848 und 1871 zugleich den Anfang zweier Epochenunserer neueren Staats- und Kulturgeschichte bezeichnen. Es gilt nun den fallen-gelassenen Faden wieder aufzunehmen und, wie angekündigt, die verschiedenen Arten vonLehranstalten der Reihe nach zu behandeln.
a) Universität und sonstige Hochschulen. In einer Encyklopädie der Pädagogikliegt keine Veranlassung vor, bei diesem Kapitel zu verweilen, welches in eine Geschichteder Universitäten, bezw. der Wissenschaften gehört. Es sei daher nur im allgemeinenangedeutet, daß die Universität Leipzig, welche von 1700 — 1800 nach K. Großes„Geschichte der Stadt Leipzig, 1842" genau 37 949 Studenten inskribiert hatte, imzweiten und dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts durchschnittlich 1200—1300 Stu-dierende, im vierten und fünften gegen 800 zählte, unter der Regierung König Jo-hanns aber einen bedeutenden Aufschwung erfahren hat, so daß sie im Sommer 1866bereits wieder ca. 1170 Studenten (ca. 1240 Hörer) zu verzeichnen hatte. Seitdemhat sich die Zahl der Studierenden mehr als verdoppelt (1872: 2 3 1 5; 1882: 31 1 1;1884: 31 60), so daß um 1872 eine Zeit lang Leipzig die besuchteste UniversitätDeutschlands war. Nachgerade ist sie, wie begreiflich, von der Hochschule der Reichshaupt-stadt überflügelt worden, aber ihr derzeitiger Etat steht hinter dem jener Universitätnur um etwa 530 000 M. zurück, während doch im Wintersemester 1883/84 Berlinbereits über 4600 Studenten zählte gegen 3430 in Leipzig. Für ihre 47 Institute
*) Es ist sicher am Orte, auch zweier Räte in Ehren zu gedenken, welche eine langeReihe von Jahren hindurch, und zwar gerade in der schwersten Übergangszeit, an der Leitungdes Schulwesens mitgearbeitet und sich besondere Verdienste um dasselbe erworben haben. Essind dies vr. Gust. Ludw. Hübel, Mitglied des Kultusministeriums von 1832 bis >874Ü 1881) und vr. Robert Otto Gilbert, dem genannten Ministerium angehörig von 1855—1879, jetzt im verdienten Ruhestand in Dresden lebend.