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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
Entstehung
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Sachsen.

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flußreicheu Richtung gegenüber in philologischer Engherzigkeit sich ganz ablehnend verhaltenhätten, ist eine irrige Meinung, zu welcher viel die von Einseitigkeiten und Übertrei-bungen sich nicht freihaltende Schilderung beigetragen hat, welche Karl Lessing von derSchullaufbahn seines großen Bruders zu St. Afra (174146) gegeben hat. Be-kanntlich waren, wie Lessing und Klopstock, so in jener Zeit auch Geliert,Gärtner, Rabener, Cramer und I. Ad. Schlegel Zöglinge sächsischer Fürsten-schuleu. Von vornherein ist nicht wahrscheinlich, daß die betreffenden Schulen garnichts zur Beförderung des Interesses für die deutsche Litteratur gethan haben sollten,welches bei der Mehrzahl der Genannten sich unmittelbar nach dem Übergange zurUniversität bemerklich machte. Es haben aber auch neuere Untersuchungen erwiesen*),daß seit 1727Übungen im deutschen Stil" an denselben gepflegt wurden, daßseit jener Zeit von Fürstenschülern öfters in deutscher Sprache valediziert wurde und um1740 die Lektüre deutscher Schriftwerke wie die eigenen Versuche in deutscher Dichtung,wenn auch in den Lektionen dergleichen nicht betrieben wurde, an diesen Schulen sehrim Schwange waren, wie denn auch schon 1691 der Meißner Rektor Rabener deutscheDichtungen verfaßt und veröffentlicht hatte**).

Von besonders tiefgehendem und nachhaltigem Einflüsse aber war ohne Zweifel dasWiederaufleben der humanistischen Bestrebungen, zumal da diese seit 1730 eine ganzvernehmliche Pflege gerade in Leipzig genossen. Was Joh. Matthias Gesner (Rektor derThomasschule von 1730 34) und sein Nachfolger Joh. Äug. Ernesti (GesnersNachfolger an genannter Schule von 1734 58) als Lehrer, als Verfasser von ge-lehrten und pädagogischen Schriften wie als einflußreiche Ratgeber in Schulangelegen-heiten zur Hebung der klassischen Studien auf den Lateinschulen wie zur Verbesserungder Lehrmethoden beigetragen haben, ist zu bekannt, als daß hier ein einfacher Hinweisauf diese großen Namen nicht genügen sollte. Was den letzteren betrifft, so hat derselbebekanntlich durch seine demnächst zu erwähnende Schulordnung einen ganz direkten undmaßgebenden Einfluß auf Sachsens höheres Schulwesen ausgeübt. Leider weilteGesner nur wenige Jahre innerhalb der Mauern Leipzigs, aber die von ihm aus-gegangenen Anregungen wirkten nach. Zunächst galt es, die arg zurückgetretenen und,zumal an den Stadtschulen, fast fakultativ gewordenen***) griechischen Studien neu zubeleben, insbesondere diesem Unterrichte wieder höhere und würdigere Ziele zu stecken.Zu diesem Behufs war u. a. auch die Besorgung guter Ausgaben der griechischenSchriftsteller erforderlich, denn in diesem Stücke war um 1730 der deutsche Bücher-markt schlecht bestellt. Namhafte Verdienste erwarben sich nach dieser Seite Joh.

*) Vgl. die interessanten Angaben bei Peter, Die Pflege der deutschen Poesie auf dersächs. Fürstenschule in den Mitteil. deS Vereins für Meißner Geschichte, 1884, Heft 3. Da-selbst ist auch zu lesen, daß der brave Konrektor Joh. Gottfr. Höre, welcher in den Bio-graphieen Lessings als trockner Pedant dargestellt zu werden Pflegt, 1740 eine (die erste?) deutschePoetische Chrestomathie veröffentlicht hat.

**) Der Zittauer Rektor Benj. Gottl. Gerlach (behandelt von Kämmel in den ZittauerOrationsprogrammen von 180567) ließ seine Schüler nicht nur von ihm selbst verfaßte la-teinische Stücke aufführen, sondern auch deutsche, insbesondere von 1743 ab wiederholt solcheausGottscheds deutscher Schaubühne". Die letzte Aufführung unter ihm im Jahre 1752brachte zwei von Frau Gottsched übersetzte Lustspiele und Joh. Elias Schlegels TragödieCanut". Neben lateinischen Versen wurden in Chemnitz um 1755 allwöchentlich auch deutsche Versegefertigt, wie der damalige Rektor der Schule daselbst Hager in seinerBeschreibung dergegenwärtigen Verfassung der lateinischen Stadtschule zu Chemnitz" von genanntem Jahre be-richtet.

***) Es währte übrigens lange, bis sich die Anforderungen und Leistungen in diesemUnterrichtszweige nach Wunsch hoben. Sogar in Grimma beteiligten sich noch >774, wie einReskript von diesem Jahre rügt, verschiedene Schüler nicht an den Übungen im Griechischen.Eine angelegentlichere Pflege dieser Sprache wird den Fürstenschulen 1795 von neuem ein-geschärft. Im vollen Sinne des Wortes obligatorisch wird dieser Unterricht auch auf diesenSchulen erst mit 1812. S. Flathe, St. Afra, S. 327.