Sachsen.
durch dieselbe eintraten, nicht allzu zahlreiche und beträchtliche, so werden doch in der-selben die christlichen Kirchenschriftsteller vor den heidnischen Klassikern und unter denletzteren die lehrhaften Charakters vor den übrigen auffallend bevorzugt. Homer, Horazund andere Autoren fangen allmählich an, aus den Lehrplänen ganz zu verschwindenund die Lektüre hinter dem Betrieb der Grammatik zurückzutreten*). Bezeichnendwar auch, daß durch den genannten Kurfürsten gerade L. Hutter beauftragt wurde,für die höheren Schulen ein Ooinpsnckium loLorum tllsologioorum auszuarbeiten (eserschien 1610 in Wittenberg), da nach der theologischen Richtung H.'s nur eine Arbeit vonherber Strenge zu erwarten war. Überwiegend in diesem Sinne übte während desganzen Jahrhunderts das 1607 in Dresden gegründete Oberkonsistorium die ihm über-tragene Oberaufsicht über die Schulen des Landes aus.
Bon 1632 bis 1645 hatte Sachsen bekanntlich furchtbar unter den Drangsalendes dreißigjährigen Krieges zu leiden; besonders lange und arg hausten die Schwedenim Lande. Zahlreiche Schulen mußten auf Jahre ganz aussetzen, fast alle erlitten indieser Zeit einen bedeutenden Rückgang in der Frequenz**) und weisen Lücken in ihrenSchülerverzeichnissen auf, soweit solche aus jener Zeit überhaupt noch vorhanden sind.Meißen hatte 1634 —1638 nur noch ganz wenige Schüler; in Freiberg fehlte 1638das Geld zur Auszahlung der geringen Lehrergehalte und hielt dieser Notstand bisgegen 1643 an. Über Lockerung der Disciplin, zunehmende Roheit und den Verfalllöblicher Einrichtungen wurde allgemein geklagt. Zu keiner Zeit hatten auch die öffent-lichen Schulen mehr unter der Konkurrenz der „Winkelschulen"***) zu leiden, welchealler Orten erstanden und viel dazu beitrugen, jene noch des weiteren zu entleerenund die im Schulwesen mühsam geschaffene Ordnung durch ihr planloses Wesen undTreiben zu stören. Unter den Studierenden der Universität Leipzig aber war eine solcheVerwilderung eingerissen, hatte insbesondere ein so abscheulicher Pennalismus Platz ge-griffen, daß solchem Unwesen auch die 1653 und 1661 dagegen erlassenen strengenStrafbestimmungen nicht zu steuern vermochten. Als ein Zeichen für die Unverwüst-lichkeit deutschen Wesens, wie der guten deutschen Art und Sitte muß es angesehenwerden, daß das schwer heimgesnchte, verstörte und verarmte Land den Mut nichtganz sinken ließ, sondern nach dem Friedensschluß ungebrochen daran ging, das Zer-störte wiederherzustellen. Ein hohes Verdienst erwarben sich damals Sachsens Fürsten(Johann Georg der II., III. und IV. von 1656 —1694) und deren Räte durchihr umsichtiges und aufopferndes Bemühen, die geschlagenen Wunden zu heilen. Trotzaller finanziellen Bedrängnisse des Staates wurde auch für die Schulen das Möglichste
*) Der Lehrplan der Nikolaischule von 1611 hat nur II griechische Stunden neben86 lateinischen und 33 Religionsstunden. Griechische Dichter verschwinden bald ganz bis aufdie Gnomiker und Hymnendichter. 1631 wird dort als einziger griechischer Autor nur nochIso krates (aä Vsmovio.) gelesen, von den römischen ist sogar Cicero verschwunden, letzterernatürlich nur auf kurze Zeit. Der würdige Rektor Thomasius äußert schon 167l in seinemPromemoria an den Rat zu Leipzig die von ihm auch später vertretene Ansicht, daß alle heid-nischen Klassiker aus den Schulen zu verbannen seien. Erfreulicherweise drang dieselbe nichtsofort und auch später nicht völlig durch.
**) Interessantes Material bietet u. a. E. Dohmke in seiner reichhaltigen Abhandlung„Die Nikolaischule im 17. Jahrhundert" im Programm der genannten Schule von 1874. Vgl.aber auch die betreffenden Abschnitte der Sckmlgeschichten von Flathe, Herzog und Süß rc.und den Vortrag von O. Meltzer, Die Kreuzschule vor 200 Jahren, Dresden 1880. Zahl-reiche Lehrer verlassen in diesen traurigen Zeitkäufen den Schuldienst, indem sie sich allen erdenk-lichen, von der Pädagogik zum Teil sehr weit abliegenden Beschäftigungen zuwenden. Bei wenigenvermutlich gestaltete sich das weitere Leben so interessant wie bei dem durch seine vielfachen Reisenund manigfache Schriftstellerei berühmt gewordenen Adam Ölschläger (Olsarius), welcher1630—32 Konrektor der Nikolaischule war.
***) Manches Charakteristische bei Süß a. a. O-, bei Kämmel, Christian Keimann(Rekror in Zittau 1634—62), Progr. von Zittau 1856, desgl- bei Dohmke a. a. O.