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Sachsen.
nung wiederfinden. Aber noch auffälliger ist die Übereinstimmung mit der Württem-bergschen Schulordnung von 1559, welche in der ganzen Anlage wie im einzelnen sichbemerklich macht, so daß mau die sächsische Schulordnung in alle» wesentlichen Stückeneinfach als eine Nachbildung jener bezeichnen muß*). Da Kurfürst Augusts Schul-ordnung nicht nur im Oollsx Laxonias Vol. I, sondern auch im 1 . Teile vonVormbaums verbreiteter Schulordnuugssammlung vollständig abgedruckt ist, auch dieGeschichten der Pädagogik von C. v. Raumer und Schmidt-Lange ziemlich aus-führliche Auszüge bieten, so darf hier wohl von einer weiteren Besprechung abgesehenwerden, obschou, namentlich im Hinblick auf die zahlreichen gelegentlich eingestrenteuallgemeinen pädagogischen Auslassungen wie speciellen didaktischen Winke, es sich gar wohlverlohnte, auf diese Schulordnung genauer einzugehen, als die Geschichten der Pädagogikdies zu thun in der Lage sind. Aus der eindringlichen, ernst ermahnenden Sprache,welche die Schulordnung vom Anfang bis zu Ende führt, wie aus den Rügen, welchesie gelegentlich eiufließen läßt, liegt es nahe zu schließen, daß vieles im Schulwesendamals höchst mangelhaft gewesen sein müsse. Und solchen Schluß bestätigen zur Genügedie Nachrichten, welche über den Stand einzelner Schulen im letzten Drittel des16. Jahrhunderts auf uns gekommen sind. Nach Melanchthons Tod sanken diemeisten derselben von der Höhe herab, zu welcher sie, getragen von dem Interesse geistlichund geistig angeregter Gemeinden, ihrer Mehrzahl nach geleitet von begeistertenSchülern des großen xraooeptor Osrmrmins, in der ersten Hälfte des Jahrhunderts sichemporgeschwungen hatten. Noch im letzten Jahrzehnt seines Lebens hatte der Unermüd-liche u. a. die Schulen in Meißen, Grimma und Bautzen visitiert. Wo er erschien,regte sich auf Jahre hinaus wieder frisches Leben, wurden insbesondere seine speciellenSchüler und Freunde — ein Georg Fabricius in Meißen**), ein Adam Siberin Grimma, ein Valentin Appel (Lxolles) in Freiberg***) — über alles empor-gehoben, was ihr Herz bedrückte. Sein Heimgang wirkte um so niederschlagender, alsinfolge desselben die bis dahin durch seinen Namen, seinen Einfluß und seine Argumentenoch bis zu einem gewissen Grade niedergehaltene Partei der engherzigen Dogmatiker freiesFeld erhielt und damit die letzten Reste der frischen Begeisterung schwanden, welche dieReformation geweckt hatte. Charakteristisch für den Wandel, welcher eingetreten war,ist u. a. auch die Schulordnung für die 3 Fürstenschulen, welche Kurfürst AugustsEnkel Christian II. im Jahre 1602 erließ 7 ). Sind auch die Änderungen, welche
*) Hier wie dort als unterste Stufe „die deutsche Schule", welche im Lesen, Schreibenund Religion, nicht aber im Rechnen unterrichtet, dann die „Partikularschule" mit fünfvon I—V aufsteigendcn, in Dekurien gegliederten Klassen, in deren vorletzter das Griechischebegonnen wird; nur daß die IV u. V in Sachsen, abweichend von dem württembergischcn Muster,auch noch ein wenig Arithmetik treiben. Insofern entsprechen ja auch die sächs. Fürsteuschulenden württembergischen Klosterschulen, als sie eine Mittelstellung zwischen Partikularschulen undUniversität einnehmen sollten, mit dem Elementarunterricht sich nicht befaßten und bis ins18. Jahrhundert hinein als gehobene Schulen (Mwnasia illustris.) einen Vorrang vor denübrigen Lateinschulen (sollolao triviales) beanspruchten.
**) Schon erwähnt als Schüler und späterer Amtsgenosse von Joh. Rivius. Er hieß ur-sprünglich Goldschmied und stammte aus Chemnitz. Das interessante Leben dieses bedeu-tenden Mannes und namhaften Gelehrten (er war u. a. in Italien, dann in Straßburg beiJoh. Sturm) hat Baumgart en-Crusius I)o lp. vita et soriptis, blissuas 1839, be-schrieben. Von 1546—7 l war er Rektor von St. Afra.
***) Er stammte aus Guben. Von 1545—-8t leitete er mit Ruhm das Freiberger Ly-ceum. Über die zahlreichen Schüleraufführungen unter seiner Leitung s. Süß, Ge-schichte des Freibcrger Gymnasiums, 1877, S. 44 ff. Über dergleichen Aufführungen an anderensächs. Schulen s. F. Straumer, Progr. von Freiberg 1868; E- Dohmke, Progr. derNikolaischule 1874; Herzog, Geschichte des Gymnasiums zu Zwickau; O. Richter, NeuesArchiv für sächs. Geschichte 1883, und O- Meltzer, Gratulationsschrift der Kreuzschule zumJubiläum des Bürgermeister Pfotenhauer 1874.
s) Einen ausführlichen Auszug bietet Palm a. a. O- S. auch den betreffenden Ab-schnitt bei Flat he, St. Afra.