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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
Entstehung
Seite
762
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nötigen Unterhalts auf Singumgänge, Dienstleistungen bei Leichenbegängnissen u. dgl.angewiesen, die elfteren außerdem auf das Erteilen massenhaften Privatunterrichts*).

Inwieweit Luthers eindringliche Vermahnungen zur Errichtung von Kinder-schulen Gehör gefunden, insbesondere nachhaltig gewirkt hatten, darüber fehlt es uns angenügenden Nachrichten, zudem auch an einer befriedigenden Zusammenstellung der vor-handenen. EineMaidlein-" oderMägdleinschule" hatte Zwickau bereits 1526**),Freiberg 1538, Leipzig im Jahre darauf; gegen Ende des Jahrhunderts sind Jung-frauschulmeisterinuen für verschiedene Städte bezeugt, desgleichendeutsche Schreiber",d. i. Elementarlehrer. Im Jahre 1539 werden in Dresden 2deutsche Schulen"errichtet, 1540 bestehen in Freiberg deren bereits 23. Um diese Zeit kommen auchdie Privatschulen < Winkelschulen) auf, welche späterhin in bedenklicher Weise überhandnehmen sollten. Das waren etwa die dürftigen Anfänge der Volksschule in denStädten***).

Hatte Kurfürst Moritz sich in der Hauptsache mit der Ordnung und Verbesserungder äußeren Verhältnisse der Schulen begnügen müssen, so wendete sein Bruder undNachfolger, Kurfürst August (15531586) seine landesväterliche Fürsorge in reichemMaße der inneren Ausgestaltung der höheren und niederen Schulen zu. s). Nichtnur auf seine Veranlassung, sondern unter seinem fördernden Beirat entstand gegenEnde seines Lebens die Kurfürstliche Schulordnung vom 1. Januar 1 580,welche für die damalige Zeit ohne Zweifel eine bedeutende und rühmliche Leistung war,wie sie denn auch in der Hauptsache für das sächsische Schulwesen bis 1773 maßgebend"geblieben istchch). Die Anordnungen derselben erstreckten sich zugleich auf das Kirchen-und Schulwesen, indem sie eine bindende Norm schufen,wie es in den Kursächs. Landenbey den Kirchen mit der Lehr und Ceremonien, deßgleichen in den beyden Universitäten,Consistorien, Fürsten- und Particularschulen, Visitationen, Synodis und, was solchemmehr anhanget, gehalten werden solle". Dieselbe umfaßte somit das gesamte höhere wieniedere Schulwesen einschließlich der Volksschule; denn auch diedeutsche Schule"findet in derselben Berücksichtigung, wenn dieselbe auch etwas kümmerlich wegkommt undsehr nebenbei mit abgethau wird. Nachweislich hat der beim Kurfürst in hohem An-sehen stehende Rektor von Grimma Adam Siber auf die Gestaltung des Lehrplansder Partikular- und Fürstenschuleu einen großen Einfluß ausgeübt, wie denn einzelneBestimmungen des oben erwähnten Siberschen Lehrplans für das Lyceum in Chemnitzvom Jahre 1549 sich nahezu mit demselben Wortlaut in der Kurfürstlichen Schulord-

*) Manche behielten dabei doch Muße und Laune zu ergötzlicheren Beschäftigungen, wiez. B. der bekannte Paul Rcphun (Rebhun), 153138 oberer Lehrer in Zwickau, später Geist-licher in Plauen und Ölsnitz, welcher durch seineKeusche Susanne" undHochzeit zu Cana"sich einen ehrenvollen Platz unter den ältesten deutschen Schauspieldichtern errang. Andere be-faßten sich angelegentlich mit Gemeindeangelegenheiten, wie es denn auch im 16. und 17. Jahr-hundert öfters vorkam (z. B. in Zwickau, Plauen), daß Schnlrektoren in Ratsherren-, bezw.in Biirgermeisterstellen berufen wurden.

**) Im Jahre 1528 wirkten an dieser Schule bereits 3 Lehrkräfte, 2 weibliche (Zucht-meisterinnen) und 1 männliche (der deutsche Schreiber). Letzterer Titel im Sinne von Elementar-,bes. Mädchenlehrer erhält sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

***) Im ganzen war das Schulwesen in Kursachsen wohl schon vor der Reformationetwas besser bestellt, als in manchen anderen Teilen von Deutschland. Die Protokolle der Visi-tationen von 152729 erwähnen bereits 7080 vorhandene Schulen. Vgl. Burkhardt,Geschichte der sächs. Schulvisitationen von 152445, Leipzig 1879.

ch) Unter der Leitung von Johann Rivius hatte er von 1540 an einige Zeit in Leipzigstudiert. Er war wohlbewandert in den alten Sprachen und hatte einen solchen Lerntrieb,daß er noch im 50. Lebensjahre die Erlernung des Hebräischen anfieng. Noch sei bemerkt,daß der sonst so peinlich haushälterische Kurfürst weder der Universität noch den Landesschulengegenüber geizte. S. Gretschel, Geschichte von Sachsen, II. S. 101 ff.

Pf) Im einzelnen erlaubten sich die verschiedenen Schulen schon von vornherein mancherleiAbweichungen, weiterhin noch erheblichere. Dies zeigt z. B. der neue Lehrplan der Nikolaischulevon 1611, über welchen Lipsius a. a. O. Mitteilungen macht-