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Sachsen.
Blüte der Jahre verstorben war *), waren in Leipzig Vertreter der humanistischen Rich-tung fast nur noch der gelehrte Arzt H. Stromer, der um die Pflege der LeipzigerStudien hochverdiente Kaspar Börner (Rektor der Thomasschule bis 1539, danndreimal rect. msguik. der Universität, 7 1547) und die beiden Rektoren der Nikolai-schule in der Zeit von 1529—1539 Johann Muster**) und Wolfgang Meurer***).Dafür aber gieng ja seit 1518 von der 1502 durch Kurfürst Friedrich den Weisengegründeten kursächsischen Universität Wittenberg ein mächtiger Einfluß aus zu Gunstender in Leipzig verfehmten Richtung, ein Einfluß, der um so tiefer und nachhaltigerwirken mußte, je inniger die Verbindung war, in welche durch Luther und Me-lanchthon die Bestrebungen des Humanismus mit den großen kircheureformatorischenBestrebungen gesetzt wurden, welche von der jungen Hochschule ausgingen. Alles diesist aber zu allgemein bekannt, als daß es uns beikommen könnte, an dieser Stellelänger hierbei zu verweilen.
Was die Schulen anlangt, so hatte sich nicht nur deren Zahl in der zweitenHälfte des 15. Jahrhunderts erheblich vermehrt)-), sondern es erfreuten sich einigederselben schon vor der Reformation einer gewissen Blüte, wenn dieselbe auch infolgedes schon oben berührten häufigen Wechsels der „Schulmeister" zumeist keine andauerndegewesen zu sein scheint. Einen besonderen Ruf genossen in jener Zeit, soweit sich aus dendürftigen, meist nur durch Zufall erhaltenen Notizen über die damaligen Schulverhält-nisse Schlüsse ziehen lasten, die Thomasschule in Leipzig, die 1480 zur Dom-schule erhobene Parochialschule zu Fr eiberg 77 ), vor allem aber die Zwickau erSchule, welche z. B. unter Valentin Strödel (7 1490) einschließlich der Vagantengegen 900 Schüler zählte 777 ). An der Schule zu Chemnitz wirkte von 1486 bis ca.1495 ein, wie es scheint, besonders anregender Lehrer Paul Schneevogel (Mavis)aus Plauen; derselbe empfahl seinen Schülern warm die Lektüre der alten Klassiker anStelle der mittelalterlichen Excerpte und Kompendien, war auch auf eine lebensvollereBehandlung der elfteren bedacht * 4 ). Daß zwei von den oben erwähnten Vertreterndes Humanismus, Rhagius und Mosellanus, von 1515 —1517 in Freiberg eine,vermutlich halb akademisch eingerichtete Lateinschule „gehalten" haben, welche auchGriechisch lehrte, daß Stephan Roth 1519 in Zwickau eine griechische Schule errichtete,daß 1521 daselbst (wie einige Jahre später auch in Leipzig unter Musters Leitung)zur Abwechselung mit Stücken des Plautus und Terenz von den Schülern gelegentlicheinmal ^ristoxll. klutus aufgeführt wurde, — waren doch nur vereinzelte und vor-übergehende Erscheinungen, vergleichbar dem Aufleuchten rasch wieder verschwindenderMeteore * 77 ). So hielt sich denn auch z. B- Roths griechische Schule nur ein Jahr;
*) Das Elogium in den Rektoratsakten v. I. 1524 (s. Zarncke, 4.ota rootorum uoi-VKV8. I-ipsionsis, S. 5) bezeichnet ihn als „praster astätom in utragns lillZus, psritissiwus,Mmnasü nostri snprsma eolumna". Die in demselben vorkommende Bezeichnung Z/mnasiuwwar in der damaligen Zeit, wie beiläufig bemerkt sei, gleichbedeutend mit Hochschule. DieserGebrauch des Wortes erhielt sich bekanntlich noch lange. Nur solche Lateinschulen wurden bisins 17. Jahrh. hinein durch jene Bezeichnung (mit oder ohne den Beisatz illustrs) geehrt, derenOberklassen eine akademische Einrichtung hatten.
**) H. Kämmel, Joh. Musler, Bilder aus einem Lehrerleben des 16. Jahrhunderts,Görlitz 1869.
***) Stallbaum, Die Thomasschule zu Leipzig, ebendas. 1839; Lipsius, Die Nikolai-schule im I. Jahrhundert ihres Bestehens, Festprogr. der Nikolaischule 1872.
-s) So geschieht z. B. schon nach 1370 einer neuerrichteten Schule all asäsm 8t. Orucis(Kreuzschule) in Dresden Erwähnung.
44) Süß, Geschichte des Gymnasiums zu Freiberg, Progr. von Freiberg 1876. 1877.
444) Herzog, Geschichte des Gymnasiums zu Zwickau, ebendas. 1869. 8.
* 4 ) Er verfaßte u. a. eine kleine Sammlung lateinischer Gespräche für Lernende (latinumiäioma pro parvnlis eckitum), welche bis zum Erscheinen von Mosellans kasäoIoZia 1518 eingewisses Ansehen genoß.
* 44 ) Über diese ganze Zeit s. H. Kämmel, Geschichte des deutschen Schulwesens im Über-gange zur Neuzeit, Leipzig 1882.