Druckschrift 
7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
Entstehung
Seite
757
Einzelbild herunterladen
 

Sachsen.

757

spürenden nachteiligen Einfluß aus. Andererseits läßt sich nicht in Abrede stellen, daßdie durch jene Kriege herbeigeführten vielfachen Beziehungen zu hussitischen Kreisendazu beigetragen haben, einer freieren Auffassung in wissenschaftlichen wie kirchlichenDingen wenn auch zunächst nur in engeren Kreisen und mehr im geheimenzum Siege zu verhelfen*). Und das Fürstenhaus zeigte sich derartigen freieren Be-strebungen gegenüber keineswegs ablehnend, solange diese sich nur innerhalb gewisserGrenzen hielten. So trug Albrecht der Beherzte kein Bedenken, den trefflichenRechtslehrer und Meister der Redekunst Gregor v. Heim bürg (7 1472) in seinenLanden eine Zufluchtsstätte zu gewähren, als dieser wegen seiner hartnäckigen Einredegegen die von den Päpsten beanspruchte Suprematie über die Konzilien von der Kircheverfolgt wurde**). Jedenfalls war es nicht Schuld der Fürsten, wenn die UniversitätLeipzig ini ersten Jahrhundert ihres Bestehens zu keiner rechten Blüte gedieh. Wasjene vermochten, thaten sie treulich, um die Entwickelung der jungen Hochschule zufördern. Schon 1438 erhielt diese durch Anstellung zweier ordentlicher Professoreneine neue (vierte) Fakultät, die der Medizin, auch that die Regierung alles, um dieUniversität vor päpstlichen Einmischungen zu bewahren und im Besitze ihrer Gerichtsbarkeitzu erhalten. Wahrhaft rührend ist es zu lesen, wie eingehend Kurfürst Albrecht,welchem Leipzig bei der Landesteilung zugefallen war, auch in den Zeiten, in welchener, mit wichtigen politischen Angelegenheiten beschäftigt, in weiter Ferne weilte, sich umdie Angelegenheiten der Universität kümmert und über Besetzung von Lehrstellen wieüber wahrgenommene Schäden von seinem Sohne Georg sich berichten läßt. Er begriffdie Forderungen der Zeit, indem er an der Leipziger Hochschule Mathematik***),Astronomie und xraotiea gelehrt wissen wollte. Auch den in Italien wiedererwachtenklassischen Studien wandte er seine Aufmerksamkeit zu. Seine beiden Söhne Georgund Friedrich ließ er in dieselbe einführen, den jüngeren sandte er sogar zu diesemBehufs nach Italien. Und es blieb dies nicht unbelohnt. Hatten auch, wie früherKvnrad Celtes, so der 150307 in Leipzig weilende Hermann von dem Buscheund der 1507 berufene Johann Rack aus Sommerfeld (Ullagius ^.csticainpianus)der noch vorhandenen offenen und geheimen Gegnerschaft gegenüber sich daselbstnicht ohne eigene Schuld auf die Dauer nicht zu halten vermocht, so war dochdurch sie eine nachhaltige Anregung im Sinne der neuen Lehre gegeben worden undhatte sich die Frequenz der Universität in den Jahren 1500 1510 auf ca. 1500Studierende gehoben)). Durch die Berufung des Engländers Rich. Croke (Oocus)im Jahre 1515 und die des hochbegabten jugendlichen Schülers des Cäsarius, PeterSchade aus Pruttig a. Mosel (LloscUanus), im Jahre 1517 hielten nun auch diegriechischen Studien in Leipzig ihren Einzug 77 ). Fortan ließ sich der neuen Richtungder Weg dauernd nicht mehr versperren Bekanntlich hat Herzog Georg, beunruhigtdurch die starke evangelische Bewegung in Leipzig 15201522, dem Humanismusgegenüber, gegen dessen Hintergedanken, bez. Konsequenzen er mißtrauisch geworden war,fernerhin bis an sein Lebensende eine abweisende Stellung eingenommen. Infolgedessen fieng die Universität nur zu bald wieder an, in die alten Bahnen einzulenken.Nachdem Croke 1517 nach England zurückgekehrt, Peter Schade 1524 in der

*) Böttiger, Geschichte von Sachsen, t. Aufl., I. S. 360.

**) v. Langenn, Herzog Albrecht der Beherzte, S. 65 fl. u. 86 ff.

***) Eine besondere Professur für Mathematik wurde freilich erst unter Kurfürst Moritzerrichtet. S. v. Langenn S. 39t.

ch) F. Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland, 1885, S. 55.

Pf) Einen Einblick in das vamalige Leipziger Schüler- und Studentenleben erhält mandurch die interessanten kleinen Aufsätze von O. Meltzer, Aus der Bibliothek eines LeipzigerStudenten im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, Dresden 1878, und von Eckstein, DasLeipziger Schülerleben vor der Reformation, abgedr. in der Zeitschr.Cornelia", Leipz. 1881,Heft 3.