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Sachsen.
ob die in Rede stehende Schule nicht vielmehr eine geistliche, als eine weltlich-kommunalewar. Für 1382 ist eine soliolu triviulis eiviou s. xuroekiulis in Freiberg urkundlichbezeugt*); allem Anscheine nach bestand schon vorher eine solche in Zittau und Oschatz.Nachdem infolge von Zwistigkeiten mit dem Rate das Thomaskloster sich zeitweiliggeweigert hatte, Stadtkinder in seine sollolu extsrior anfzunehmen, ging auch Leipzigmit der Gründung einer städtischen Lehranstalt um. Die erforderliche Genehmigung er-theilte Papst Bonifacius IX. durch eine Bulle vom Jahre 1395. Trotzdem trat diegeplante Schule (die jetzige Nikolaischule) erst 1511 ins Leben. So lange wußten diegeistlichen Körperschaften des Ortes, vornehmlich das Thomaskloster, dem UnternehmenHemmnisse in den Weg zu legen.
In den Anfang des 15. Jahrhunderts fällt ein Ereignis, welches den nach-haltigsten Einfluß auf das geistige Leben in den sächsischen Landen ansüben sollte, indemes zugleich eine schöne Erweisung der Fürsorge war, welche das Wettiner Herrscherhausschon frühzeitig der Pflege der geistigen Interessen hat angedeihen lassen. Friedrich derStreitbare und sein Bruder Wilhelm benutzten die durch die bekannten Vorgänge inPrag ihnen unverhofft gebotene Gelegenheit zur Ausführung eines lange gehegten Planes.Sie nahmen die Ausgewanderten in Leipzig auf und gründeten so am 2. Dez. 1409 diedortige Universität**). Wenn dieselbe im 1. Jahrh. ihres Bestehens zu keiner rechtenBlüte gelangte, so hatte das sicher vornehmlich seinen Grund darin, daß der Geist, welchendie Ansiedler aus Prag mitgebracht hatten, ein durchaus scholastischer, der humanistischenRichtung, welche sich bald darauf in den deutschen Landen zu regen anfing, widerstrebenderwar. Viel aber hat sicher dazu auch der Umstand beigetragen, daß allen Anzeichen nachdie damals im Lande vorhandenen geistlichen und weltlichen Schulen nicht imstande waren,eine ausreichende Vorbildung für die Universität zu gewähren. Als etwas Besondereswird es uns berichtet, wenn der „Schulmeister" da oder dort von 1 — 2 Gehilfen(loeuti, Untermeister, Gesellen) unterstützt wurde oder gar außer ihm neben einempuLeulsrins (buceuluursus) und ountor noch der eine und andere eoUuborutor vor-handen war. Im wesentlichen hing jedenfalls der Stand und das Gedeihen der da-maligen Schulen nahezu ausschließlich von der persönlichen Tüchtigkeit ihrer Rektoren ab,denen gegenüber die von jenen erwählten und meist auch unterhaltenen Gehilfen einedurchaus unselbständige Stellung hatten. Da nun diese Rektoren in jener Zeit derUnruhe und des Vagantentnms selten lange an einem Orte aushielten, zumal wenndenselben ihre Tüchtigkeit häufig zu vorteilhaften Anerbietungen verhalf, so hat mansich wohl zu hüten, aus vereinzelten Notizen, wie solchen, daß 1397 der gelehrte Laee.tlleol. Vincenz Grüner einen Ruf an die Klosterschule zu Altenzelle angenommen,wie daß der bekannte hussitische Liederdichter Uetrus Orssclsnsis zwischen 1409und 1415 in Zwickau und Dresden (?) Schulmeister gewesen sei, besondere Schlüsse aufdie Bedeutung der betreffenden Schulen zu ziehen. Die Heimsuchungen, welche dieHussitenkriege über das Meißner Land brachten, übten natürlich auf das in den be-scheidensten Anfängen befindliche Schulwesen ***) desselben einen lange noch zu »er«
*) Süß, Geschichte des Gymnasiums zu Freiberg, Pgr. von Freiberg 1876, wo die Ur-kunde abgedruckt und das Verhältnis derartiger städtischer Schulen zu dem Stadtgeistlichengut auseinandergesetzt wird. — Eine Chemnitzer Urkunde von 1399 erwähnt einen im Dienstedes Rates stehenden Schulmeister, indem sie bezüglich desselben von einem „alten Herkommen"spricht.
**) Zarncke, Die Statutenbücher der Universität Leipzig aus den ersten ISO Jahrenihres Bestehens, Leipzig 1861.
***) Wohl an den meisten Orten lag zu Anfang des 15. Jahrhunderts der gesamte Unter-richt in der Hand eines Mannes, des „Schulmeisters". In den Urkunden von Zwickau z. B.erscheinen erst seit 1413 neben dem Schulmeister noch 1—2 Untermeister oder Gesellen, welche zubesolden Sache des Erstgenannten war; erst 1470 wurde daselbst von der Stadt ein ständigerKantor neben dem Schulmeister angestellt. In Leipzig war dies früher erfolgt. Die ruhmvolleReihe der Thomasschulkantoren reicht' bis in die ersten Jahrzehnte des 15. Jahrh. zurück; dererste uns bekannte ist Joh. Urban, den eine Urkunde von 1439 erwähnt.