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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

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führen, als sie mit den für und gegen die Echtheit desselben geltend gemachten Gründenbekannt zu machen und sie über den gegenwärtigen Stand der Frage zu orientieren.Wir treiben, sagt Roth a. a. O. S. 312, Dogmatik und Moral, lehren Einleitung ins Alteund Neue Testament, Kirchengeschichte und Symbolik nnd lassen die Bibel ungelesen, lesensie wenigstens nicht mit derselben Sorgfalt, Treue und Schärfe, mit der wir den Horazerklärt sehen wollen. Wir bauen große und kunstvolle Gebäude, ohne daß wir die Bau-steine dazu besitzen; wir haben das Leben nicht, und kennen die Schrift nicht und wollenkL oü/ ein System aufzuführen. „Es giebt," wie dieses von dem Verfasser

bereits in den Verhandlungen der neunten Direktoren-Versammlung der Provinzen Ost-und Westpreußeu vom Jahre 1880, S. 74 hervorgehoben ist, „nichts Verderblicheres,als diese Mischung von Theologie nnd Religion, infolge deren dem Schüler die ewigenWahrheiten der Religion bald ebenso nichtig erscheinen, wie die Meinungen der Theo-logen. Der Religionsunterricht muß durchaus noch in weit höherem Maße auf dieBibel zurückgehen und den Schüler zu dieser eigentlichen Quelle religiöser Erbauung undsittlicher Erhebung führen, aus welcher bereits Jahrtausende immer neue Kraft geschöpfthaben und auch ferner schöpfen werden. Es ist Thorheit, wenn der Lehrer menschlicheWeisheit an die Stelle der heiligen Schrift setzen und die Urquelle aller wahren religiösenErkenntnis dem Schüler verschließen will."

Die Bibel muß deshalb der Mittelpunkt alles Religionsunterrichtes sein und darfauf keiner Stufe fehlen, wenn sie auch nicht von vornherein sich in den Händen derSchüler befinden und nicht in allen Teilen gleichmäßig behandelt werden wird. Allesandere kann nur als nebensächlich und nur in steter Beziehung zur heiligen Schrift be-trachtet werden, sofern es entweder der religiösen Empfindung Ausdruck verleiht oderden biblischen Inhalt in lehrhafter Form wiedergiebt oder die geschichtliche Einwirkungdes Christentums in der Gründung und Entwicklung der christlichen Kirche zeigt.

Aus dem Schatz der Kirchenlieder sind diejenigen auszuwählen, welche Allgemein-gut der Kirche geworden sind und dem religiösen Gefühl den einfachsten und wärmstenAusdruck geben. Dieselben sind dem Gedächtnis fest einzuprägen und damit sie dem-selben bewahrt bleiben, auf den höheren Stufen zu wiederholen, denn der Schüler nimmtin ihnen einen Schatz in das Leben mit, von dem er später in den Stunden der Notzehrt, und schon viele sind durch einen Liedervers vor Anfechtung bewahrt und in großerBetrübnis und Seelenangst getröstet worden. Nur passe man die Lieder dem jedes-maligen Verständnis an, und wenn mau die Kirchenlieder selbstverständlich au das Kirchen-jahr anschließt, so wird mau doch nicht bereits in der Sexta ein Weihnachts-, einPassions- und ein Pfingstlied, sondern nur ein Weihnachtslied lernen lassen unddas Passionslied nach der Quinta, das Pfingstlied nach der Quarta verlegen, und ebensoin der Sexta und Quinta vorzugsweise Lieder behandeln, welche Lob und BewunderungGottes aus der Betrachtung der Natur schöpfen, in der Quarta solche, welche von demVertrauen zu Gott oder der Buße handeln und in der Tertia solche, welche tiefere reli-giöse Empfindungen aussprechen. Wenn man in diesen Klassen etwa dreißig Lieder hatlernen lassen, so kann man sich in Sekunda und Prima auf Wiederholung beschränken,weil bei einer größeren Anzahl von Liedern leicht das feste Können verloren geht.

Unter den Bekenntnisschristeu, die namentlich aufzuzählen und einzuprägen sind,können für eine eingehendere Behandlung nur der kleine Katechismus Luthers und dieAugsburgische Konfession in Betracht kommen, aber diese müssen auch behandelt werden,schon weil sie, wie Schräder a. a. O. S. 331 sagt, lebendige Zeugnisse von der Wieder-geburt unserer Kirche sind und daher mit einer Frische und ursprünglichen Kraft wirken,welche durch keiu abgeleitetes System ersetzt werden kann. Fraglich erscheint es freilich,ob daneben eine zusammenhängende Glaubens-Sittenlehre wirklich, wie es dort weiterheißt, nicht nur überflüssig, sondern sogar vom Übel ist. Roth erklärt sich gegen einensystematischen Unterricht, während Nägelsbach, Gymn.-Päd., S. 161 eine Vertiefungdes Katechismus zu geben empfiehlt mit einer systematischen Übersicht der ganzen christ-