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Religionsunterricht in höheren Schulen.
keit des Menschen beeinflußt und doch das Schuldbewußtsein des letzteren nicht zumSchweigen bringt. Die Vorstellungen, wie die von der Lr,/ und der ^ 10 ^« oderelzkc-Mb,/ bei Homer, die den Agamemnon zu der Entschuldigung führen ö)-cd ck'onxXtti Itckokp« u. s. w., von dem göttlichen Ur-sprung der sittlichen Gesetze bei Sophokles, der o-)/»/,-/«-- 0/
ch-'^Öil^tTrox 7r«r»)p , von dem Bekenntnis desselben Dichters 7r«n, rm?
«I-Apcu?ro«7- roEc<«ttpr«nki,', womit das Horazische uam vitits nemo sine
naseitnr, optimus Ule est, gut minimis nrgstur zu vergleichen ist, von dem PlatonischenDualismus der menschlichen Neigung, entsprechend dem „zwei Seelen wohnen, ach, inmeiner Brust" und dem Ovidischen ^.Unä oupiäo, mens aliuä suuäet, viäso melioraprobogne, ästerioru seguor u. dgl. werden für den Religionslehrer einen fruchtbarenStoff zu Besprechungen bieten, und er wird es auch nicht verschmähen dürfen, hier undda auf die Grundgedanken einzelner Werke, sei es auf die religiösen Ideen des Sopho-kleischen Ödipus, sei es ans den sittlichen Gehalt der Goetheschen Iphigenie oder aufeinzelne Gedichte, wie Schillers Worte des Glaubens u. dgl. hinzuweisen. Je mehr derReligionslehrer es versteht, seinen Unterricht mit den Ideen in Verbindung zu setzen,welche die Schüler aus den anderen Lehrgegenständen gewinnen, um so fruchtbarer wirder wirken. Denn nur auf diesem Wege kann sich bei den Schülern eine wahrhafte undfeste Überzeugung bilden, wenn auf der Schule eine Versöhnung des religiösen undwissenschaftlichen Jdeenkreises angebahnt wird, und wir müssen es als eine Verirrungbezeichnen, wenn entweder in dem jugendlichen Geiste sich zwei von einander getrennteVorstellungskreise bilden, deren Vermittelung gar nicht angestrebt wird, oder wenn vonvornherein die Religion zu dem, was wir Bildung nennen, in einen Gegensatz gebrachtwird. Soll aber hier eine Versöhnung angebahnt und gezeigt werden, wie in der vor-christlichen Zeit die religiösen Ideen von den edelsten Geistern geahnt werden und dasSuchen nach Gott die Entwicklung der Menschheit durchzieht, und wie in der nach-christlichen Zeit alle Kultur von den Ideen des Christentums beeinflußt und getragenwird, so muß der Religionslehrer inmitten des Lehrerkollegiums stehen und nicht bloßmit dem sonstigen Unterrichtsstoff genau vertraut, sondern auch mit dem geistigen Stand-punkt der Schüler bekannt sein. Bei einem Geistlichen, der nur den Religionsunterrichterteilt, werden diese Voraussetzungen nur äußerst selten zutrefsen, ganz abgesehen davon,daß die Befähigung für das geistliche und das Lehramt, so viele Berührungspunkte beideauch haben mögen, doch keineswegs immer zusammenfallen.
Es darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß die Religionsstunde keineeigentliche Erbauungs-, sondern eine Unterrichtsstunde ist. Durch predigerhaften undsalbungsvollen Ton ermüdet man die Schüler bald, ohne auf das Herz derselben zuwirken; und beginnt die Schule an jedem Morgen mit einem gemeinsamen Gebet, sowird es sich auch kaum rechtfertigen lassen, die Religionsstunde, zumal wenn sie derMorgenandacht unmittelbar folgt, noch einmal mit einem Gebete anzufangen oder zuschließen. Ein mahnendes und den innern Menschen packendes Wort wollen wir nichtganz verwerfen, aber es muß sparsam sein und sich ungezwungen von selbst ergebenund ans dem Unterricht gleichsam hervorwachsen; jedes zu viel und jede künstlich an-gestrebte Erregung ist hier vom Übel. Betonen wir aber den Charakter des Unterrichtsund die Notwendigkeit, durch den Geist auf das Herz zu wirken, so ist es doch nichtWissenschaft, die wir lehren, sondern Religion, und es ist daher das eigentliche theolo-gische Wissen von der Schule auszuschließen. Junge Lehrer verfallen oft in den Fehler,daß sie die gelehrten Kenntnisse, welche sie noch von der Universität über die Echtheitund Zusammensetzung der biblischen Bücher oder über einzelne Sekten und überdogmengeschichtliche Entwicklungen mitbringen als etwas besonders Anziehendes denSchülern mitteilen. Aber je mehr Erfahrungen sie im Unterricht machen, desto mehrwerden sie einsehen, daß der Streit der Parteien nur den Sinn der Jugend verwirrt,und daß es wichtiger ist, die Schüler in den Jdeenkreis des vierten Evangeliums einzu-