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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

schichte gegeben werden soll. .Aber es wird, um die Schüler zum evangelischen Glaubenzu erziehen, neben diesem geschichtlichen noch ein didaktischer oder systematischer Unterrichteinhergehen müssen, welcher die aus dem geschichtlichen Unterricht sich ergebenden Vor-stellungen und Gedanken klar zum Bewußtsein bringt.

Methode. — Fragen wir aber, wie der Zweck durch den Religionsunterricht Christen,und zwar evangelische Christen zu erziehen, am besten erreicht werden kann, so wird eigentlichalles auf die Person des Lehrers ankommen. Ist dieselbe auch für die übrigen Lehrfächervon Bedeutung, so ist sie für den Religionsunterricht eigentlich entscheidend, denn hier istdie Methode der Lehrer selbst, und die besten Regeln für Erteilung des Unterrichts sindwirkungslos, wenn sie nicht in der Person des Lehrers feste Gestalt gewonnen haben.Mag in anderen Gegenständen die Methode von der Person des Lehrers gelöst werdenkönnen, beim Religionsunterricht ist sie mit derselben ganz und gar eines, und derUnterricht wirkt nur so weit, als der Lehrer wirkt. Sittliche und religiöse Überzeugungwird nur durch lebendige Darstellung und lebendige Anschauung einer sittlich und religiösdurchgebildeteu Persönlichkeit hervorgebracht, und auf das feine, fast instinktive Gefühl unddie außerordentlich scharfe Beobachtungsgabe der Jugend wirkt ein Religiouslehrer, dervon dem, was er lehrt, nicht selbst erfüllt und durchdrungen ist, geradezu abstoßend.Die sittlich und religiös durchgebildete Persönlichkeit des Lehrers ist also im Religions-unterricht die Hauptsache; dazu aber wird auch die wissenschaftliche Bildung tretenmüssen, die nicht bloß den religiösen Stoff vollständig beherrscht, sondern auch auf denanderen Wissensgebieten bewandert ist und zugleich die Bedürfnisse und Anschauungendes jugendlichen Alters in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen genau kennt. DerReligiouslehrer muß mit anderen Worten durch seine sittliche Erscheinung ans die JugendEindruck machen und derselben durch sein Wissen imponieren, damit dieselbe sieht, daß dieReligion sich nicht bloß mit wissenschaftlicher Bildung verträgt, sondern die Blüte der-selben ist, ja über allem Wissen steht. Es ist klar, daß man bei jungen Lehrern dieseEigenschaften selten vereinigt finden wird, daß man daher zu Religiouslehrern die er-fahrensten und tüchtigsten Männer wählen und daß in den obersten Klassen am bestender Direktor selbst den Unterricht erteilen sollte. Wird das indes wohl meistens einfrommer Wunsch bleiben und die Notwendigkeit gebieten, immer wieder zu jungen Theo-logen seine Zuflucht zu nehmen, so sollten doch wenigstens nur diejenigen sich zu diesemBerufe entschließen, welche für das Lehramt, sowie für die Wissenschaft begeistert und vonaufrichtiger Liebe zur Jugend erfüllt find. Denn in diesem Falle wird der Mangel anErfahrung durch das Beispiel des Strebens, welches sie der Jugend geben, sowie durchdas größere Verständnis, welches sie für die Bewegungen und Verirrungen des jugend-lichen Herzens besitzen, wenigstens zum Teil ausgeglichen werden. In jedem Falle abersollte der Religionslehrer nicht bloß Mitglied des Lehrerkollegiums der Anstalt, sondernauch mit anderem Unterricht in derselben betraut sein, weil er erst auf diese Weise seineSchüler ordentlich kennen lernen und den rechten Einfluß auf sie gewinnen kann. Inden obersten Klassen wird es außerdem wünschenswert sein, auch auf andere Wissens-gebiete Bezug zu nehmen, um entweder den Unterschied von der religiösen Anschauungdes Christentums oder die Verwandtschaft mit derselben darzulegen. Es ist zwaroft verlangt worden, daß auch bei der Erklärung der altklassischen und der deutschenLektüre der christliche Standpunkt hervorgehoben und die Lebensanschauuug eines Dichtersvom christlichen Gesichispunkte aus gewürdigt werde; eine solche Forderung aber müssenwir unbedingt als unberechtigt zurückweisen. Homer, Sophokles und Horaz müssen inden betreffenden Stunden ebenso wie Klopstock, Lessing, Goethe und Schiller nur durchsich auf den Schüler wirken und nur aus sich selbst heraus erklärt werden ohne Kritiknach einem außer ihnen genommenen Maßstabe. Dagegen wird es Aufgabe des Reli-gionslehrers sein, die religiösen und ethischen Vorstellungen dieser Dichter in den Religions-stunden mit den christlichen zu vergleichen und z. B. zu zeigen, wie der Schöpfuugsbegrisfbei den Alten die Vorstellung von der Allmacht der Götter und von der Verantwortlich-