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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Religiöse Unterweisung in der Familie.

Herzen. Und nach der Predigt soll nicht auf etwas Vollständiges gedrungen werden.Aber auch Kinder, die eben erst anfangen, einen Gedanken niederschreiben zu können,werden aus einer Predigt mancherlei mit nach Hause nehmen: eine Geschichte, einenVers, einen Spruch, irgend einen besonders lebendig und faßlich ausgesprochenen Ge-danken. Die Prediger aber sollten nicht vergessen, daß die reifste Frucht der Bibel-forschung und der Lebenserfahrung, des Durcharbeitens eines Textes für die eigentüm-lichen Verhältnisse einer Gemeinde doch immer die aus der Gotteskindschaft kommendeund zur Gotteskindschaft lockende Einfalt ist.

Außer der religiösen Unterweisung, welche der ganzen Familie durch den Haus-gottesdienst zu teil wird, außer dem ersten Unterricht, den das Kind vor dem Be-such der Schule von der Mutter hauptsächlich empfängt, außer der Förderung, welchedas Haus der Unterweisung in der Schule und der Kirche angedeihen läßt, müßtedoch die religiöse Unterweisung im Hause auch in selbständiger Ge-stalt auftreten. Um von vornherein dem Einwand zu begegnen, als ob die Zeit,die Ruhe, die Sammlung dazu fehle, so weisen wir auf den Sonntag hin als aufden von Gott dazu gegebenen Tag. Der Ruhetag in der Woche ist wie die Ehe eineuranfängliche göttliche Ordnung, stammt wie die Gründung der Familie aus demParadiese. Und so sehr wir des Sonntags bedürfen, als des Zeichens zwischen Gottund uns, um Gottes Volk in der Kirche zusammen zu halten, so unentbehrlich ist eruns für die Bewahrung des Familienlebens. Wenn nun auf die trennende Arbeitder Woche die sammelnde Ruhe des Sonntags in das Haus kommt, wenn die Familieendlich einmal wieder sich für Stunden traulich zusammenfiudet — wie nahe liegt es,daß sie Gottes Wort miteinander treibt! Der Tag hat viele Stunden. Die Gottes-dienste in der Kirche nehmen doch nur einen geringen Teil des Tages in Anspruch.Es soll den einzelnen nicht gewehrt werden, daß sie an diesem Tage einer Lieblings-beschäftigung nachgehen, sofern sie überhaupt eine sonntägliche ist. Es mögen die älterenGlieder des Hauses Wittwen und Waisen, Arme und Kranke, Verlassene und An-gefochtene in ihrer Trübsal besuchen, es mag der eine zum Schreiben eines Briefes,der andere zum Lesen eines Buches sich zurückziehen, ein dritter ganz ruhig sitzen. Aberdie Familie muß doch wieder zusammenkommen. Wenn dann Gott seine Welt amSonntag in solcher Schönheit seinen Kindern vor die Angen stellt, daß man rufenmag: „Herr mein Gott, du bist sehr herrlich, du bist schön und prächtig geschmückt!"dann mag die Familie hinauswandern und die unsichtbare Kraft und Gottheit an denWerken der Schöpfung ahnen. Aber es giebt regnerische Sonntage, es kommt der rauheHerbst und kalte Winter — was machen wir mit den langen Nachmittagen und Abendendes Sonntags? Wir gebrauchen sie zu religiösen Unterweisungen im Hause. Wirlassen alle zusammenkommen, die im Hause wohnen, jung und alt. Wenn möglich,nimmt jedes seine Bibel. Wer mit in der Runde sitzt, liest seinen Vers in der Reihe.Es macht den Kindern so große Freude, wenn die Eltern und Tanten und wer sonstda ist, es gerade so machen wie sie. Dann wird über das Gelesene gesprochen. DieKinder werden gefragt. Die älteren Teilnehmer sprechen selbständig ihre Gedanken aus.Es werden die Parallelstellen ausgesucht und ein schöner Wetteifer im Finden entsteht.Hülfsmittel zum Verständnis der heilige» Schrift werden herbeigeholt. Wer SchnorrsBilderbibel nicht hat, in dessen Hause findet sich vielleicht eine ältere oder neue Bilder-bibel. Wer das Buch der Brüder Strauß über die Länder der heiligen Schrift mitden vielen Bildern in Farbendruck nicht besitzt, der hat vielleicht aus dem Calwer Ver-lag die biblische Geographie und Naturgeschichte. Die Unterhaltung wird lebendig, dieAnschauung deutlich. Weder der erbauliche Ton der Predigt, noch der gemessene Tondes Schulunterrichts herrscht dabei. Die Familie ist ja beisammen und es geht allestraulich und fröhlich zu. Es wird so oft die Befürchtung ausgesprochen, daß durcheine ernstere Sonntagsfeier den Kindern der Sonntag und damit Kirche und häuslicheBibellehre verleidet werde. Wir fanden noch imnier den Sonntag eher zu kurz als zu