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Religiöse Unterweisung in der Familie.
als hätten sich die Eltern von der Pflicht, das religiöse Leben und auch das Lernen inreligiösen Dingen zu pflegen, losgekauft? Immer bleiben es die Eltern, denen dieKinder, durch die Taufe Gottes Kinder, auf die Seele gebunden sind, denen zuerst dieErmahnung gilt, die Kinder in der Zucht und Vermahnung zum Herrn aufzuerziehen.Wie die Kinder nicht ohne Religion von dem Hause in die Schule geschickt werden,so ist es nicht gleichgültig, welche Religion die Kinder in der Schule lernen. Stehndie Dinge, wie sie sollen, stehn Haus und Schule auf demselben Glaubensgrund, soliegt darin eine große Beruhigung für die Eltern, aber auch die Verpflichtung, dieSchule durch herzliche Anteilnahme an ihrem Unterricht zu unterstützen. Die Lehrerwerden es sehr deutlich spüren, ob die Eltern die Kinder nach ihrer Aufgabe gefragtund dieselbe abgehört haben. Ist aber die Schule ohne lebendigen Christenglauben,dann ist die Verpflichtung doppelt dringend, sich noch immer um die religiöse Unter-weisung zu kümmern. Die Aufgabe wird dann oft recht bitter, durch die häuslicheFrömmigkeit den kalten Ton, der in der Schule herrscht, unschädlich zu machen. Wenndie Mitschüler aus Häusern, denen das Wort Gottes und der Glaube fehlt, anfangendas Kind eines frommen Hauses zu verspotten, wenn der Lehrer selbst die Lauge desHohns über das Bibelwort und die Kirchenlehre ausgießt, wie stark und innig, wietüchtig und fröhlich muß daun der Glaube des Hauses sein, wenn das jugendliche Ge-müt durch denselben kräftiger als durch den Unglauben der Schule beeinflußt werdensoll! Wenn man die Erzählungen hört von der Plattheit, mit welcher hier und da inSchulen das Heiligste behandelt, von der Frechheit, mit der es geschändet wird, dieAnekdoten glaubensloser, eingetrockneter Seelen der Religionslehrer, die vielleichtals Schiffbrüchige am Glauben sich aus dem geistlichen ins Schulamt gerettet habenund denen, weil sie denn doch einmal Theologen gewesen, der Religionsunterricht, densonst niemand übernehmen wollte und konnte, anvertraut wird, da erscheint des HerrnWeheruf über die, welche die Kleinen ärgern, nicht zu stark*).
Wie mit der Schule, so muß sich das Haus mit der Kirche in Bezug auf religiöse
Unterweisung in lebendiger Zusammenwirkung erhalten. Wir wiederholen hier nicht,was in dem Art. Kirchenbesuch trefflich gesagt ist. Die Sitte des Hauses, die sichin dem Satze ausspricht: am Sonntag geht man zur Kirche, ist eine eindring-liche Lehre für das ganze Leben. Wenn die ganze Hausordnung so eingerichtet ist,daß in der Regel an jedem Sonntag jedes dazu fähige Glied der Familie die Kirchebesuchen kann, wenn die Eltern mit ihren Kindern nirgendhin lieber gehen, als in dieKirche, wenn die Füße der Kinder, welche in das Haus Gottes gehen sollen, vorhervor falschen Wegen bewahrt und die Herzen nach dem Schluß der Kirche nicht alsbaldzerstreuenden Einflüssen preisgegeben werden, wenn der Kirchenbesuch durch die Kunstheiliger Einfalt gegen die zerstörende Macht des Weltlebens geschützt wird, wenn dieKinder so den Segen der Sabbathstille schon frühe empfangen — wie viel ist damitgewonnen! Ist es den Eltern erfreulich, wenn in der öffentlichen Kinderlehre ihreKinder frei und frisch antworten, Sprüche und Lieder sicher und freudig aufsagen, sowerden sie im Hause darüber wachen, daß die Kinder thun, was die Kirche verlangt.
Und sollen die Kinder in der Predigt andächtig hören, so wird es gut sein, wenn sie
im Hause darüber gefragt werden. Eine Hinweisung auf den biblischen Text, überwelchen wahrscheinlich gepredigt werden wird, schon im Hause von seiten der Eltern,— von seiten der Kinder eine Aufzeichnung dessen, was sie behalten haben, empfiehltsich als treffliches Mittel, die Andacht zu fördern. Während der Predigt selbst darfnichts ausgeschrieben werden — das widerspräche der richtigen Auffassung von derPredigt, daß sie nämlich nicht Lehre schlechthin, sondern Zeugnis ist von Herzen zu
*) An m. der Redakt. Es ist Pflicht der Aufsichtsbehörde, derartigen Vorkomnissen,welche doch mit der Erstarkung des religiösen Gemeingefühls, mit der strafferen Leitung desSchulwesens, mit der Zunahme und Ausbreitung pädagogischer Einsicht zu seltenen Ausnahmengeworden sind, mit den strengsten Maßregeln zu begegnen.