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Religiöse Unterweisung in der Familie.
einen jahrelang fortgesetzten Hausgottesdienst ohne Vermehrung religiöser Erkenntnisdenken. Wird aber darüber gewacht, daß, was alle Tage wieder geschehen muß, alleTage mit neuem Leben geschieht, giebt man den Hausgenossen, weil sie sonst unaufmerk-sam werden könnten, die Bibel zum Mitlesen in die Hand, läßt man in dunkle Stellenein Licht der Erklärung fallen, muntert man die einschlummernde Andacht durch eineFrage wieder auf, so muß ein Hausgottesdienst, in welchem Gottes Wort planmäßiggelesen wird, wesentlich mithelfen, daß die Hausgenossen Bibelmenschen werden — einHauptziel aller religiösen Unterweisung!
Aber nicht allein in der Form des Hausgottesdienstes soll die religiöse Unter-weisung im Hause geschehen. Bis zum Beginn der Schuljahre, also bis zum sechstenoder siebenten Lebensjahre fällt dieselbe dem Hause völlig zu, es sei denn, daß dieKinder, was aber doch nur von den weniger bemittelten, zu sehr durch Arbeit in An-spruch genommenen Eltern geschehen sollte, einer Kleinkinderschule übergeben würden.Die Eltern und insbesondere die Mütter, nachdem sie für die Kinder und über ihnengebetet haben, werden die Kinder beten lehren (s. d. Art. Gebet). Die Vorstellung voneinem Gott und Vater im Himmel, der lauter Liebe, aber heilige Liebe ist, welche beiden Gebeten vorausgesetzt wird, werden sie durch die Ereignisse, an denen auch dasKind schon teilnimmt und durch die Dinge, die vor seinem Auge ausgebreitet liegen,zu dem konkreten Inhalt des Lebens in Beziehung zu setzen suchen. Und namentlich,sie werden den Kindern von dem Kinderfreunde, von dem Christuskinde sagen, inwelchem die ewige Gottheit uns nahe getreten ist. Das Kirchenjahr mit seinem Kreis-lauf der christlichen Feste ist die schönste Veranlassung, von der Geburt, dem Leben,Leiden, Sterben, der Auferstehung, Himmelfahrt und Geistesausgießung soviel zu er-zählen, als das Kind zu fassen vermag. Man hat behauptet, daß die tiefsten Ein-drücke, welche der Mensch empfängt, in die Periode der Unbewußtheit fallen. Das istgewiß, daß das Kindesalter, je zarter und weniger beschrieben in ihm die Tafel derSeele ist, desto leichter die Geschichte von dem Heil der Welt aufnimmt, daß die Kinder,ivenn sie der Bekanntschaft mit dem Christuskinde entbehren sollten, des schönstenSchmuckes und Glanzes, dessen ihr Leben teilhaftig werden könnte, entbehren müßten,und daß Eltern, welche versäumten, ihren Kindern die erste religiöse Unterweisungzu geben, sich die heiligste Elternfreude versagen würden. Natürlich wird die Unter-weisung in diesem Alter eine vorzugsweise zufällige sein: aber wie leicht bieten sichdie Veranlassungen des Morgens, wenn das Kind erwacht, des Abends, wenn es zuBette geht, beim Wandeln durch die Fluren und Stillsitzen im Haus und namentlichbeim Herannahen der Feste mit all ihrer schönen, auch in das häusliche Leben herein-tretenden Sinnbildlichkeit*).
Wenn nun das Kind zur Schule geht, ist es damit der Schule allein übergeben,
*) Vgl. über solche zufällige Anweisung Palmer Ev. Päd. 3. Ausg. S- 212: „DasselbeKind, das zur Gebetszeit vollkommen andächtig ist, kann zu anderer Zeit dessen, was es imGebet gesagt, ebenso vollkommen vergessen und denkt nicht entfernt daran, daß beides im Zu-sammenhang stehen müsse. Aber eben deswegen muß der Erzieher dafür sorgen und es darangewöhnen, auch bei den Aufgaben und Vorkommnissen des gemeinen Lebens Gott im Ang' undim Herzen zu haben. Das soll nicht in gewaltsamer Weise geschehen, da unaufhörlich gepredigtund an jeden Quark ein Stück Erbauung geheftet wird. Aber dafür kommt dem Kinde desTages so oft etwas vor, worin es ganz unmittelbar Gottes Güte, Gottes Schutz und Bewah-rung erfahren darf; oder cs soll irgend etwas vollbringen, was ihm schwer wird, es hat bangevor irgend einem Gegenstand, einer Aufgabe u. s. w.; da ist's Zeit, daß der Erzieher ihm dieThür öffnet, die von all diesen Dingen uns direkt zu Gott zurückführt. Es ist dies immer einMoment der Zucht, denn das Kind wird geheißen, Gott zu danken, zu Gott zu Litten; es wirddazu angehalten und gewöhnt, und nicht erst irgend welche didaktische Erörterung, sondern daseinfache Geheiß wird jenen Erfolg Hervorbringen." Auch von Religionsbegrifsen werden dieKeime wohl am besten Lei zufälligen Veranlassungen in das zartere Kind gepflanzt, wenn seinInneres durch irgend etwas, was ihm begegnet ist, oder was cs gethan hat, erregt und empfänglichergemacht ist. Solche Veranlassungen bringt das Leben eines jeden Kindes. Schmid.