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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Religiöse Unterweisung in der Familie.

Berlin. Freitag, Bilder aus dem Mittelalter, Leipzig 1867) nach einer Manig-faltigkeit konkreter Züge, wie etwa die Mütter jener glanzvollen Zeit der religiösen Unter-weisung ihrer Kinder sich angenommen haben möchten. — Eine genaue Untersuchung, die wirhier nicht anstellen können, würde ohne Zweifel ergeben, daß bei den Waldensern, sowiebei den böhmischen und mährischen Brüdern, die das Evangelium im Gegen-sätze zur herrschenden römisch-katholischen Kirche festhielten, das Haus viel zur Unter-weisung im Evangelium beitragen mußte*). In sein volles Recht der Mitwirkung an derUnterweisung der Getauften zum Glauben durch das Wort tritt das Haus erst wiederdurch die Reformation. Es ist überaus bezeichnend, daß die Rückkehr zu GottesWort die Herstellung der Familie nach Gottes Ordnung unmittelbar mit sich führte.Die Ehe, seither einesteils durch die ihr zucrkannte sakramentale Bedeutung in einefalsche Höhe emporgehoben, andernteils durch das Cölibat der Geistlichen und durch dieVerdienstlichkeit des Klosterlebens mit einem Makel der Weltlichkeit befleckt, erschienwieder in dem Lichte der Bibel als eine göttliche Ordnung, die an und für sich dieSeligkeit weder schaffen noch hindern kann, aber als das sittliche Grundverhältnis desmenschlichen Lebens, das, durch die Kirche geweiht, der Kirche ihre Meter zuführensoll. Der Gehorsam der Kinder gegen die Eltern erschien wieder gottgefälliger alsdas willkürliche Klosterleben. Die einfachste Arbeit der Knechte und Mägde hat Lutheroftmals als ein wahrhaft gutes Werk im Gegensatz gegen die sogenannten guten Werkeder Kirche gepriesen. Es geht ein neuer Hauch durch das Haus, den wir im ganzenMittelalter darin nicht spüren: es ist das Gotteswort, auf welches das Haus wiedergegründet wird, welches in dem Hause wieder Licht, Brot und Salz sein darf. Undein neuer Klang ist es in der Kirche, daß Martin Luther in seinem kleinen Katechismusdie zehn Gebote, Glauben, Vaterunser u. s. w. so gestellt und erklärt hat, „wie sie einHausvater seinem Gesinde einfältiglich fürhalte» soll". Und durch sein eigenes Beispielhat er der christlichen Unterweisung in seinen Hauspredigten eine treffliche Anregunggegeben. „Diese Predigten," sagt er in der Vorrede zu seiner Hauspostille, „habe ichunterweilen in meinem Hause gethan, vor meinem Gesinde, damit ich, als ein Hausvater,auch das meine thäte bei meinem Gesinde, sie zu unterrichten, ein christlich Leben zuführen. Solche Weise zu predigen haben (als sich's ansiehet) die Patriarchen in ihrenHäusern gehabt, bei ihrem Gesinde; wie man liefet, daß Abraham, Isaak, Jakob, hinund wieder Altäre gebaut haben, Gott den Herrn anzurufen, das ist, daselbst hin sichzu versammeln mit ihrem Gefindlein, zu predigen, zu beten, Gott zu loben. Dahin

*) Aus der Zeit unmittelbar vor der Reformation teilt uns Janssen (Geschichte desdeutschen Volks, Bd. I, S- 24 fs.) interessante Züge von religiöser Unterweisung im Hause mit.Der „Seelenfiihrer" (Mainz bei Peter Scheffer 1498) sagt: „Die Hofsnunge der Kirche dassind in Sonderheit die jungen; dornmb sol alle Unterweisung domit anheben, die eltern zu er-manen, das sie ire Kinder in christlicher Zucht und eren aufwachsen machen und ihr Haußfür die zarten Kindlin die erste Schul und erste Kirche sey." „Christenliche mutter,wan du die lind, das ist gottes ebenbilde uff den knien hast, so mache im das Zeichen des hei-ligen crutzes uff stirne, mund und brust, und bete mit ihm, wenn es sprechen kann, dases nachbete. Du solt diu kind segnen; die glauben leren und es furen zur Bicht fru-zitig, es auch unterweysen waS es bedorff; gut zu Lichten." — Der Katechismus vonDederich Colde mahnt: „Die Eltern sollen die Kinder in deutscher Sprache lehren: das Vater-unser, Ave Maria, das Glaubensbekenntnis und noch andere Punkte, die in diesem Hand-buche stehen. Item, ferner soll man sie lehren, Maria, die Mutter Gottes, ihre Schutzengelund alle Heiligen Gottes zu ehren. — Item, sie müssen von Jugend auf lernen, denn imAlter sind sie versteift, daß sie weder wollen noch können Gutes thun." „Ferner sollen sie dieKinder lehren Benedicite und Gratias und Gottes Lob sprechen und mäßig sein im Essen undTrinken und sittsam aus der Straße gehen." Bruder Stephan in der „Himmelsstraß" giebtdieses Bild eines Hausvaters. „Darauf (nach der Predigt) saß er daheim mit seiner Haus-frauen und mit seinen lindern und mit seinem völklin und fraget sie, was sie in der predigtgewertet heten und sagt, was er hat gewertet, verhöret sie auch, ob sie die zehn gebot könnenund verstunden die sieben todsnnden, den Paternoster und den glauben, und lernt sie. Und ließim darzu ain trünkln bringen und ein guotes liedlin von got oder vun unser lieben frauenoder etwas von den lieben heiligen singen, und war also sroelich in Gott mit seinem Völkein."