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Religiöse Unterweisung in der Familie.
mit der Zeit auch zugeschlagen die Nachbarn und umliegenden Leute und Städte . . .Damit ist aus der Hauspredigt eine Pfarrpredigt worden re. Wie wir auch sehen inder Apostelgeschichte und Matth. 10 Christus also befiehlt, daß der Apostel Predigt aucherstlich in den Häusern geschehe, und also die Nachbarn dazu kommen, endlich mit gan-zen Städten und Ländern." Dieser Predigt für die ganze Hansgemeinde fügt er dieUnterweisung der einzelnen, an welcher er es auch der Hausfrau nicht fehlen ließ. ImI. 1535, da Käthe mitten in Ackerbau, Viehzucht, Bierbauerei u. s. w. stak, verspracher ihr fünfzig Gulden, wenn sie die Bibel ernstlich anfangen wolle ganz durchzulesenund bis zu Ostern damit fertig wäre. Jährlich hielt er ein Fest im Hause, bei welchemfröhlich gegessen und getrunken ward, dann aber die Kinder und das Gesinde die Evan-gelien, Katechismen und Gebete hersagen mußten. Das organische Herauswachsen derKirche aus dem mit Gottes Wort versehenen Hause offenbart sich neben der Predigtund dem Katechismus auch in dem dritten Hauptmittel, welches Luther für die Er-bauung der Gemeinde geschaffen, in dem Lied. Daß er das Lied nicht bloß in derKirche gesungen haben wollte, sondern auch im Haus, darauf deutet nicht bloß sein„Kinderlieb auf die Weihnachten vom Kindlein Jesu" hin: „Vom Himmel hoch dakomm' ich her" und sein „Kinderlieb, zu singen wider die zween Erzfeinde Christi undseiner heiligen Kirche, den Papst und den Türken", das Lied: „Erhalt' uns, Herr,bei deinem Wort", das hat er durch die „Cautorey" in seinem eigenen Hause kräftigbewiesen. Der Hauston, der neben dem Kirchenton von Luther angeschlagen ward,klingt in dem deutschen geistlichen Liede der folgenden Zeiten fort. Wie familienhaft trau-lich, auch den Kindern besonders zugeeignet, ist das Lied des Nikolaus Hermann, wiehäuslich sind die meisten Morgen- und Abendlieder der folgenden Zeit, wie rührendsind die Worte, mit denen ein Johann Herrmann den Tod seines Weibes beklagt: „Ichglaub' und red' es ohne Scheu: die best' ist die getraute Treu! die muß ich jetzt ent-raten.." Und in Paul Gerhardts Liedern hören wir dann in vollendeter Weise derKirche Wort im häuslichen Ton wiederklingen und erfreuen uns in ihm einer solchenVerschmelzung nicht allein des Geistlichen und Volkstümlichen, sondern auch des kirch-lichen und häuslichen Lebens, das ohne Gottes Wort im Hause nicht zu denken ist. —Das göttliche Recht des Hauses auf dem Gebiete des religiösen Lebens, welches MartinLuther siegreich durchgekämpft und welches in der kirchenrechtlichen Lehre durch den nebenden statns politious und oeolssiasticus gestellten status oeoonoinious seine Anerkennunggefunden hat, das hauspriesterliche Recht ward doch auch in der evangelischen Kirchenicht so lebendig geübt, wie man es aus dem großen Antriebe der Reformation hätteschließen sollen. Es ist das Verdienst des Spener-Franckeschen Pietismus,daß er deni status osoonomious das Wort kräftig redete, das Priestertum aller Gläu-bigen aufweckte und die Kirche in lebendige Verbindung mit dem Hause brachte. Inner-halb der Kirche zeigten sich Erscheinungen, wie in der apostolischen Zeit und in der Zeitder Verfolgung: Häuser, deren Bewohner Gottes Wort fleißig trieben und in welchensich Gleichgesinnte zur Erbauung versammelten. Man drang entschiedener auf Haus-gottesdienst, mau verbreitete die Bibel geflissentlich durch Bibelanstalten, man gab Aus-züge aus ihr durch „Schatzkästlein", man wandte der Jugend seine Aufmerksamkeit zu,man ließ sich nicht daran genügen, daß das Wort der Predigt in der Kirche auf dieganze Gemeinde fiel, wie ein Gewicht, man suchte es aus dem Gehör in die Thal, ausden: Kopf ins Herz zu bringen, man sprach darüber, man fragte und antwortete. Undin den Häusern, in welchen der Geist Speners und Franckes waltete, wie etwa in demHause der Großmutter Zinzendorfs, fehlte es nicht an religiöser Unterweisung. Seit-dem sind wir durch den Rationalismus hindurchgegangen und in einer Zeit angelangt,in welcher die manigfaltigsten Richtungen des religiösen Lebens sich durchkreuzen, inwelcher aber kaum irgend eine auf dem Evangelium beruhende Richtung an der Pflichtder Familie zweifeln dürfte, auch an ihrem Teil für die religiöse Unterweisung imHause besorgt zu sein.