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Religiöse Unterweisung in der Familie.
wenn sie nicht religiösen Unterricht giebt, wenn sie nicht durch diesen das gesamteSchulleben in das Glaubensleben einzutauchen sucht? Aber die Schule empfängt gernedie Kinder aus Häusern, in denen die Eltern auch für die religiöse Erkenntnis schonvorgearbeitet haben, und nichts ist ihr schmerzlicher, als wenn sie die Schüler in solcheHäuser entlassen muß, in welchen das empfangene Kapital an religiöser Erkenntnis ver-schleudert wird. Die Geschichte des Christentums ist ein fortwährendes Zeugnis, daßdie Kirche kein edleres Gefäß für das Leben hat, das sie mitteilen soll, als das Haus,und daß immer wieder, wenn sie selbst zum leeren Gefäß zu werden in Gefahr war,aus den Familien ihr treu bewahrte Fülle des religiösen Lebens zurückgeströmt ist. (Vgl.die Artikel: Pädagogik des Alten und Pädagogik des Neuen Testaments.)
Wenn Clemens von Alexandrien gläubigen Ehegatten gemeinschaftliches Gebet undBibellesen als tägliche Morgenbeschäftigung empfiehlt; wenn auf einem altchristlichenSarkophage ein christlicher Familiengottesdienst dargestellt wird, auf der rechten Seitevier Männer mit Schriftrollen in der Hand, lesend oder singend, auf der andern dreiFrauen und eine leierspielende Jungfrau; wenn Tertullian in dem Bilde der christlichenEhe, das er im Briefe an seine Frau entwirft, sagt, daß sie zusammen beten, einanderbelehren, ermahnen, daß sie miteinander im Singen von Psalmen und Hymnen wett-eifern, so läßt sich aus solcher Gestalt des Familienlebens auf eine religiöse Unterweisungder Hausgenossen ein Schluß bilden (vgl. Schaff, Geschichte der alten Kirche, Leipzig1867, S. 281 f.). Und die uns bekannt gewordenen ausgezeichneten Mütter, jeneNonna, die Mutter des Gregor von Nazianz, welche diesen ihren Erstgebornen, sobaldsie konnte, in der Kirche Gott weihte und das Evangelienbuch in die Hand des Kindeslegte, jene Emmelia, welche ihre Enkelkinder Basilius von Cäsarea und Makrina imEvangelium unterrichtete, jene Anthusa, des Chrysostomus, und Monica, des AugustinusMutter, werden nicht die einzigen gewesen sein, welche herzlich wünschten, daß ihreKinder von Kind auf die heilige Schrift wüßten (vgl. Neanders Denkwürdigkeiten,2. Band). Übrigens sagt Lechler (s. d. Art. Hausgottesdienst, III, S. 306): „DieKirchengeschichte ist auf diesem Gebiete noch völlig unangebaut und die Litteratur darüberso gut wie nicht vorhanden." Auch aus dem deutschen Mittelalter sind die Nachrichtenüber religiöse Unterweisung im Hause sehr dürftig. Das deutlichste Bild des häus-lichen Lebens blickt uns durch die hinterlassenen Dichterwerke aus den höfischen undritterlichen Kreisen jener Zeit an, in welchen die Poesie damals eine Heimat gefundenhatte. Wir wißen, daß das Kind bis zum siebenten Jahr zu Hause gehalten wurde,daß vom siebenten an die Knaben für den ritterlichen Dienst, die Mädchen zu feinerSitte und edler Tugend in fremden Häusern mit andern zusammen erzogen wurden,daß die Frauen die Kinder hüteten, auch unterwiesen, aber die religiöse Ünterweisungbeschränkte sich wohl auf das erste Beten, gewisse kirchliche Gebräuche und allgemeinereligiöse Gedanken. Ein biblischer Unterricht lag der Zeit ferne und den eigentlich kirch-lichen Unterricht, so weit er stattfand, nahm die Kirche für sich in Anspruch. Wasuns in Dichtungen erzählt wird, die Mahnung des Vaters an den einzigen Sohn in„Winsbecke", welche allen Mahnungen vorangeht: „Sohn, minne Gott inniglich", undder Unterricht, den in Wolfram von Eschenbachs „Parcival" die Mutter Herzeloideihrem Sohne Parcival giebt von dem Gotte, der lichter ist als der Tag und den er injeder Not anflehen solle, und von der Höllen Wirt, der schwarze Untreu nicht meidetund von dem er die Gedanken wenden solle, wird nicht nur Poesie, sondern häufigWirklichkeit gewesen sein. Aber es hieng mit der mittelalterlichen Gestalt des Christen-tums zusammen, daß die Kirche mit der Überlieferung ihrer Lehre und Gebräuche sichbegnügte, die häusliche Erziehung das Hauptgewicht bei der männlichen Jugend auf denritterlichen Frauendienst, bei der weiblichen Jugend auf feine Sitte legte. — Vergebenssucht man in den Darstellungen des häuslichen Lebens jener Zeit (Büschings, Nitter-zeit und Ritterwesen, Leipzig 1823; Weinhold, Die deutschen Frauen im Mittel-alter, Wien, 1851; Falke, Die ritterliche Gesellschaft im Zeitalter des Frauenkultus,Pcidag. Eucyklopädie. VR. 2. Ausl. 3